»Sieht aus, als hättest du miese Laune«, begrüßt Zac mich. Ich stoße ein Schnauben aus und stütze mich mit den Ellenbogen auf dem Tresen ab.

»Bier für die Mannschaft und einen Vodka«, gebe ich zurück, woraufhin seine Brauen ein Stück nach oben wandern. Ohne mich aus den Augen zu lassen, greift er unter den Tresen und zieht ein kleines Glas hervor.

»So übel?« Seine Stimme mischt sich mit den Stimmen der Footballer, während er eine Flasche aufschraubt und das kleine Gefäß vor mir füllt. Ich presse die Lippen zusammen und warte, dass er die Flasche absetzt. Dann greife ich nach dem Glas und leere das bisschen Alkohol in einem Zug. Meine Kehle brennt eine Sekunde und ich hole tief Luft um meinen Kopf auf Kurs zu bringen.

»Richtig übel«, kommentiert Ethan, den ich bisher nicht bemerkt habe und der sich jetzt neben Zac stellt.

»Wir haben in Trikots gespielt, die mit Beleidigungen bedruckt sind. An unserer Stelle sind Schweine aufgelaufen. Der Präsident hat uns zu Trainingseinheiten mit den Cheerleadern verpflichtet und zu allem Überfluss haben wir gegen eine grottige Mannschaft verloren«, erkläre ich meinen bisherigen Tagesverlauf und presse die Zähne zusammen.

Ethan und Zac wechseln einen verwunderten Blick, was mir die Möglichkeit gibt die Vodkaflasche zu greifen und mir wieder was einzugießen.

»Das klingt für Leute, die nicht dabei waren ziemlich wirr. Könntest du uns das näher erläutern?« Zac wirft mir einen fragenden Blick zu und Ethan fängt langsam an Bierflaschen aus dem Kühlschrank zu holen. Dabei wandern seine Augen immer wieder abwartend zu mir. Ich hole Luft um zu antworten, ermahne mich gedanklich Schimpfwörter aus der Berichterstattung zu halten, doch dann tritt Zoe neben mich.

»Ja, Zoe. Könntest du das den beiden näher erläutern?«, fordere ich die Cheerleaderin höflich auf und proste ihr mit den Pinnchen zu. Der unbeschwerte Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwindet und kleine Fältchen bilden sich auf ihrer schmalen Stirn. Ich trinke den Vodka, genieße das Brennen und stelle das Glas vor mir ab. Nervös huscht Zoes Blick zu Ethan und Zac, die genau so verwirrt aussehen wie die Cheerleaderin.

»Ich wollte mit dir reden, Ryan«, sagt sie langsam und ich man kann ihr ansehen, dass es ihr unangenehm ist, dass meine beiden Freunde anwesend sind.

»Über die Trikots, die Schweine, das verlorene Spiel oder das gemeinsame Training?«, will ich mit einem leicht bitteren Grinsen von der Frau wissen, die sich eine Strähne aus dem Gesicht streicht.

»Irgendwie über alles«, gibt sie zu und versucht mich mit einem ähnlichen überheblichen Blick anzufunkeln, wie Evelyn es draufhat. Es misslingt ihr auf voller länge und ich frage mich, ob es überhaupt einen anderen Menschen gibt, der so arrogant aussehen kann wie Jones.

»Gut, dann fang mal an zu reden.« Ich nehme mir eines der Biere, die Zac gerade öffnet und blicke sie abwartend an. Zoe beißt sich auf die Lippe und ich genieße, dass sie so verunsichert ist.

»Könnten wir unter vier Augen sprechen?« Ihr Blick huscht zu Zac und Ethan, die sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ich habe nicht vor ihr den Gefallen zu tun. Also schüttle ich langsam den Kopf und nehme entspannt einen Schluck aus der Flasche.

»Ich halte das nicht für nötig.«

»Was dauert das so lange?«, mischt sich plötzlich Katie von der Seite ein. Ihre schwarzen langen Haare fallen ihr glatt bis über die Brüste und ich mustere interessiert ihren Körper, der in einem leopardengemusterten Rock und einem schwarzen Top steckt.

»Ich arbeite dran«, erwidert Zoe giftig, was mir ein Lächeln auf die Lippen treibt.

»Was denn? Ärger im Paradies?« Zoe kommentiert meine Frage indem sie tief Luft holt, während Katie die Arme vor der Brust verschränkt.

Dann bin ich wenigstens nicht der Einzige, der leidet.

»Wir möchten Montagmorgen noch mal mit dem Präsidenten sprechen und ich wollte fragen, ob du mitkommst. Es sieht besser aus, wenn wir zusammen vor ihm stehen und beteuern, dass ab jetzt nichts mehr schief geht.« Zoe schließt den Mund, doch ich sehe ihr an, dass sie noch etwas sagen will. Ich weiß genau was es ist.

»Und?«, hake ich nach und die Frauen tauschen nervöse Blicke, bis Katie ein genervtes Stöhnen von sich gibt.

»Hör auf dich so aufzuspielen, Paxton. Du weißt genau so gut wie wir, dass dein Vater unser Ass im Ärmel ist«, gibt sie schroff zurück und stiert mich an.

Obwohl ich wusste, dass diese Antwort kommen würde, spüre ich einen Funken Wut in mir aufkeimen, der genau so schnell verschwindet, wie er gekommen ist. Sogar ich habe diese Karte heute gespielt. Zwar hat sie nicht gewirkt, aber es war einen Versuch wert. Allerdings war Zoe bei der eiskalten Abfuhr von Mr. Thompson dabei.

»Falls Zoe es dir nicht mitgeteilt hat, Katie: Mein Dad ist diesmal nicht die Lösung«, erkläre ich langsam und drehe die Flasche gedankenverloren in meiner Hand.

»Wir können es uns nicht leisten Trainingseinheiten mit euch zu vergeuden. Also müssen wir jede Möglichkeit ausreizen.« Für die Aussage kassiert Katie einen Hieb mit dem Ellenbogen von Zoe.

»Danke, gleichfalls«, schnaube ich und nehme einen Schluck aus der Flasche. Ich hasse es, wenn mein Vater als Lösung in Betracht gezogen wird und dass die Cheerleader ihren Sport für den anstrengendsten und wichtigsten der ganzen Welt halten. Als wäre Football nicht wesentlich berühmter, größer und besser bezahlt.

»Ignorier Katie einfach«, bittet Zoe mich und schiebt die schwarzhaarige Cheerleaderin mit dem Arm beiseite. »Weder ihr noch wir können diese Trainingseinheiten opfern. Außerdem würde das die Spannungen zwischen unseren Teams nur noch verschlimmern. Evelyn ist auch nicht besonders begeistert davon mitmachen zu müssen, als wäre es für alle von Vorteil, wenn wir noch Mal mit dem Präsidenten sprechen. Er kann uns auch eine andere Strafe geben. Nur irgendetwas, was uns allen keine wertvolle Trainingszeit kostet.«

Ich wollte es nicht, doch als ihr Name gefallen ist, sind meine Augen automatisch durch den Raum gewandert und haben nach der Verrückten gesucht. Doch ich habe sie nirgends entdeckt. War sie zu feige? Das würde nur gar nicht zu der Evelyn passen die ich kennengelernt habe.

»Da stimme ich dir voll und ganz zu«, sage ich langsam. »Allerdings frage ich mich, wo die Kleine ist, die Schuld an dem Schlamassel ist?«

»Sie ist raus«, pfeffert Katie sofort los, was Zoes ruhige Gesichtszüge in zornige verwandelt.

»Sie ist raus?«, wiederhole ich verwirrt.

»Mein Gott, Zoe. Hör endlich auf damit. Es wäre alles nicht so gekommen, wenn sie nicht gewesen wäre, also haben wir ihr den Laufpass gegeben.«

»Das ist ein Scherz«, kommentiere ich trocken, versuche irgendein Anzeichen von Belustigung in den Augenpaaren vor mir zu finden. Jedoch springt mir nur Ernsthaftigkeit entgegen. »Echt jetzt?«, frage ich erneut, wobei mein Blick zwischen den beiden Cheerleadern vor mir hin und her huscht. Ich kann nichts gegen das bittere Lachen tun, das aus meiner Kehle dringt und dieses Mitgefühl für Evelyn zu verspüren. Eigentlich sollte es mir mehr als nur gut in den Kram passen, aber wenn ich alles richtig gedeutet habe, hat sie Planung und Arbeit auf sich genommen, um die Cheerleader zu unterstützen. Immer haben sie mitgemacht und jetzt wo es ein Mal wirkliche Konsequenzen gibt, wird sie gefeuert?

»Was seid ihr für ein beschissenes Team?«, platz es anklagend aus mir heraus. »Sie hat sich für euch vor fünfzig Leuten ausgezogen und ihr lasst sie hängen?!«

»Da bin ich ganz deiner Meinung«, knurrt Zoe zustimmend und feuert einen Blick auf Katie, die uns nur die kalte Schulter zeigt.

»Es war ihr eigener Name. Keiner hat sie dazu aufgefordert.« Die trotzige Stimme von Katie lässt mich nur den Kopf schütteln. Wie können die Cheerleader sich nach solchen Aussagen noch fragen, warum wir so wenig von deren Sport halten?

»Entweder alle oder keiner. Klärt das im Team und sagt mir zu welchem Entschluss ihr gekommen seid.« Mit diesen Worten drehe ich den beiden die Schulter zu und schaue zu Ethan und Zac. Ethan blickt mit leicht geöffnetem Mund zu Zoe, die sich keinen Millimeter bewegt, während in Zacs Blick etwas Nachdenkliches liegt.

»Wer ist die Kleine, die Schuld an dem Schlamassel ist?«, will Zac wissen.

»Bis später«, lasse ich Zoe und Katie verstehen, dass das Gespräch an diesem Punkt beendet ist und stelle das Bier vor mir auf den Tresen ohne einen Blick zur Seite zu werfen.

»Das war euer Stichwort«, hilft Ethan nach und ich vernehme den leisen Protest von Katie, doch dann kann ich im Augenwinkel erkennen, dass sie verschwinden. Dankend nicke ich Ethan zu, der die Geste erwidert.

»Und? Wer ist die Kleine?« Ethan stützt sich auf dem Tresen ab und Neugierde blitzt in seinen Augen auf. Es ist dieselbe, die ich von Scarlett kenne und erinnert mich mal wieder daran, dass die beiden doch Ähnlichkeit haben.

»Die Kleine heißt Evelyn Jones und ist unter anderem für meine blauen Haare verantwortlich gewesen«, erkläre ich und schaue über die Schulter zu den Footballern, die etwas geschlagen in der Ecke hängen.

»Die muss ich unbedingt mal kennenlernen!« Ethan unterdrückt das Lachen nicht und zieht so die Aufmerksamkeit einiger Besucher auf uns,

»Willst du nicht. Sie ist arrogant, meint ihr Sport wäre das Beste und ist ziemlich verrückt.«

»Also ist sie wie du nur bei den Cheerleadern?« Zac grinst mich schief an, während er ein Tablett auf den Tresen schiebt, das mit Bierflaschen befüllt ist.

»Sehr lustig«, erwidere ich kühl und verdrehe die Augen.

»Was ist denn der Unterschied zwischen uns?«

»Ich sehe gut aus«, sage ich, drehe dann meinen beiden Freunden den Rücken zu ohne eine Antwort abzuwarten. Sonst hätten sie vielleicht nach einem Bild gefragt und ich hätte zugeben müssen, dass Evelyn Jones alles andere als hässlich ist. Daran ändert auch nichts, dass sie für mich an einiges an Attraktivität eingebüßt hat.

 

 

»Schwachsinn! Jackie Chan ist der Stuntman!«, protestiert Alex.

»Und Madonna ist zwanzig, oder was glaubst du?«, hält Dean lachend dagegen.

»Ihr seid kleine Kinder«, seufze ich und nehme einen Schluck von meinem Bier.

»Hör auf Daddy zu spielen, Paxton.« Miles zieht wissend die Augenbrauen hoch.

»Du glaubst doch nicht, dass ich mich auf so eine niveaulose Diskussion einlasse«, gebe ich leicht überheblich zurück.

»Seit wann nicht?« Dean grinst mich schief an und trinkt den letzten Rest seines Bieres aus.

»Seit ich festgestellt habe, dass ihr beide keine Ahnung habt!« Ich rutsche ein Stück auf dem Stuhl nach vorne, als sich die Horde Cheerleader zwei Tische weiter erhebt. Neugierig betrachte ich die zufriedenen und teils unglücklichen Gesichter zu denen Katies zählt. Zoe kommt mit einem sehr zuversichtlichen Grinsen auf mich zu, winkt ihm Gehen der ein oder anderen zu.

»Nächster Anschlag?«, will Miles wissen bevor Zoe mich erreicht hat.

»Bezweifle ich.« Ich lege den Kopf schief und betrachte die junge Frau, die vor mir stehen bleibt. Die graue Jeans liegt eng an ihren dünnen Beinen und ihr Pulli hat ein seltsames Blumenmuster. »Habt ihr euren Kriegsrat beendet?«

»Ja, haben wir«, bestätigt sie ohne den Blick von mir zu nehmen. »Wir sind für einen Waffenstillstand.«

»Waffenstillstand? Nach all dem von heute?!«, prustet Alex empört neben mir los, doch ein Blick von mir genügt um seine laute Stimme zu einem leisen Krächzen zu senken.

»Und wie stellt ihr euch den Waffenstillstand vor?«, frage ich Zoe stattdessen, die tief Luft holt.

»Die Bedingungen können wir gleich gemeinsam mit Evelyn ausdiskutieren.«

»Das heißt?« Interessiert wandern meine Augenbrauen ein ganzes Stück nach oben.

»Wir fahren zu ihr und setzten uns zu Dritt zusammen.«

»Zwei Cheerleader und ein Footballer sind nicht ausgeglichen«, wirft Miles von der Seite ein. Sofort färben sich Zoes Wangen rot und sie streicht sich unruhig eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Viel offensichtlicher geht es nicht, oder?

»Sehe ich genauso. Wenn Miles mitkommt, bin ich für Verhandlungen offen«, sage ich und nicke meinem Freund zu. Die Cheerleaderin presst die Lippen zusammen, als würde sie mit sich selber ringen. Dann stößt sie hart Luft aus.

»Einverstanden.«

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