17. Evelyn

Als ich die Tür öffne, wird unser kleiner Rückzugsort ausgelöscht. Brutal schlägt der Bass gegen mein Trommelfell und der Geruch nach Alkohol und Rauch findet den Weg in meine Nase. Das schummrige Licht ist dunkler, als ich erwartet habe und es dauert einen Moment, bis meine Augen sich daran gewöhnen. Während ich blinzle, bemerke ich die wenigen Gestalten, die an der gegenüberliegenden Wand lehnen und in einer Unterhaltung vertieft sind. Sie würdigen uns keines Blickes.

Erleichterung durchströmt mich und ich trete einen Schritt zur Seite, schaue über meine Schulter, um herauszufinden, ob Paxton Hilfe braucht. Amy klammert sich an seinem Hals fest und ihre Lippen bewegen sich ununterbrochen. Ich will sie gerade ermahnen, dass sie die Beschimpfungen für mich aufheben kann, als seine Mundwinkel sich zu einem schiefen Grinsen verziehen. Es sieht aus, als würde er sich ein Stück näher zu ihr beugen ohne mich dabei aus den Augen zu lassen.

Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend warte ich auf die Beiden, die sich langsam durch den Flur schleppen. Naja. Paxton schleift Amy neben sich her und sie setzt hin und wieder den Fuß auf. Es erinnert auf eine absurde Art und Weise, an ein Puppenspiel und dieser schelmische Ausdruck auf dem Gesicht des Footballers, macht es nicht besser.

»Keine Angst, ich kriege sie schon alleine getragen. Geh du ruhig vor«, weist er mich an, während Amy neben ihm anfängt zu Kichern.

Das ist kein gutes Zeichen.

Doch ehe ich protestieren kann, berührt mich jemand am Ellenbogen. Überrascht drehe ich mich um, bereite mich innerlich schon auf einen Konter von einem dämlichen Anmachspruch vor und kann nicht verhindern, dass ein genervter Ausdruck auf mein Gesicht tritt.

»Hey«, kommt es stattdessen freundlich mit einer sehr angenehmen Stimme. Verwirrt starre ich in das Gesicht, dessen graue Augen mich anstrahlen. Die schmalen Lippen sind zu einem Lächeln verzogen und die blonden Haare, die ich nur zerzaust kenne, sind einigermaßen gebändigt. »Wenn ich gewusst hätte, dass du auf die Party kommst, hätte ich dich schon viel früher gesucht«, sagt der Kellner aus dem kleinen Cafè zu mir und beugt sich dabei ein Stück näher.

Sein weißes T-Shirt sitzt etwas lockerer, als das von Ryan und lässt seine Strandbräune hervorstechen. Die Jeans liegt eng an seinen Beinen und ich kann sein Parfüm riechen, dass sich mit dem Geruch von Shampoo mischt und die Rauch- und Alkoholfahne aus meinen Gedanken treibt.

Und ich?

Ich sehe aus wie ein Troll auf der Suche nach was Essbarem.

Das läuft mal wieder ganz fantastisch.

»Was willst du trinken?«, fragt er, als ich nichts sage. Ich hole Luft, versuche irgendeine halbwegs vernünftige Antwort auf die Reihe zu bekommen, als sich hinter mir jemand bemerkbar macht.

»Jones, die Kleine kotzt gleich wieder«, werde ich aus den Gedanken gerissen und drehe mich zu den beiden hinter mir. Amy hat eine bedrohlich weiße Farbe angenommen und ist nicht mehr am Kichern.

»Oh«, bringe ich überrascht hervor. »Also ich kann leider nicht«, sage ich zu dem hübschen Kellner und setzte mich in Bewegung, werfe ihm einen entschuldigenden Blick zu. Doch, anstatt stehen zu bleiben, läuft er plötzlich neben mir her und schiebt Leute, die ihm den Weg nach draußen versperren elegant mit der Schulter beiseite.

»Gilt das nur für jetzt oder ist das eine generelle Aussage?«, hakt er nach, während ich stehen bleibe und nach der Haustür suche, weil ich ungern über die Terrasse laufen möchte. Gaffern sind etwas, was ich jetzt wirklich nicht noch brauche. »Die Haustür ist da vorne«, erklärt er und deutet mit dem Becher in der Hand in eine Abzweigung. »Also?«

»Ähm«, mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren, während ich die Tür ansteuere. Diese ganze Situation überfordert mich und ich weiß nicht, worauf ich mich konzentrieren soll. Auf meine betrunkene Schwester, den nervigen Footballer oder den Kellner, der unfassbar süß aussieht.

Warum muss das ausgerechnet heute passieren?

»Nein, das war nicht generell gemeint«, seufze ich und öffne die Tür. Ich trete beiseite und der Blonde tut es mir gleich. »Es ist nur gerade nicht der passende Zeitpunkt«, erkläre ich mit einem Blick auf Amy, die an uns Vorbeitorkelt.

»Hoover«, sagt Paxton plötzlich zu dem Typen im vorbeigehen und der Kellner nickt ihm mit einem etwas grimmigeren Lächeln zurück.

»Eine Freundin?«, will er wissen, während ich verwirrt zu Paxton blicke. Ich kann sehen, dass seine Mundwinkel zucken, doch dann ist er schon an mir vorbei.

»Nein, meine kleine Schwester.«

»Oh«, kommt es überrascht von dem Typen. »Ich bin übrigens Jax«, stellt er sich plötzlich vor. Er hält mir die Hand hin, die ich schließlich nehme. Sie fühlt sich angenehm warm an und sanft.

»Evelyn«, stelle ich mich ebenfalls vor, woraufhin sein Lächeln ein wenig breiter wird und mich ansteckt.

»Also Evelyn, meinst du, du könntest mir deine Nummer geben?«

Hitze schießt mir in die Wangen und mein Mund klappt ein Stück auf.

»Ich denke…«, setzte ich leicht stotternd an, was zu noch mehr Blut in meinem Kopf führt. Doch ich habe keine Chance zu ende zu sprechen.

»JONES!«, schallt es von draußen. Ich reiße den Blick von den grauen Augen los, die mich mustern und schaue zu dem Typen, an den sich immer noch meine Schwester klammert. »Lass uns gehen.« Mit dem Kopf nickt er in Richtung eines schwarzen BMWs, der nicht weit entfernt steht.

»Sorry, ich muss los«, murmle ich, verfluche dabei Paxton. »Vielleicht können wir die Unterhaltung im Café fortsetzen?« Meine Stimme nimmt einen flehentlicheren Ton an, als ich es geplant habe. Ich beiße mir auf die Zunge und versuche mit der knallroten Tomate, die sich auch als mein Kopf bezeichnen lässt, zu lächeln.

»Klar. Du kannst sonst auch einfach nach mir fragen«, höre ich ihn sagen und lasse die Türklinke los.

»Das klingt super.«

»Bis dann, Evelyn«, verabschiedet er sich. Kurz hebe ich die Hand, nur um sie gleich darauf wieder sinken zu lassen. Wie ein kleines Kind werde ich jetzt garantiert nicht winken. Also wende ich ihm den Rücken zu und fange an zu dem BMW zu laufen, in den Paxton bereits einsteigt. Ich kann nur hoffen, dass er die Röte dem Joggen zuschreibt oder sie einfach nicht sieht in der Dunkelheit.

Die Scheinwerfer des Wagens gehen in dem Moment an, in dem ich auf den Beifahrersitz gleite. Sofort schaue ich zu Amy, die auf der Rückbank liegt und die Augen geschlossen hat.

»Und? Hast du endlich seine Nummer klar gemacht?«

Der Motor beginnt zu summen und schließlich setzt sich das Auto in Bewegung.

»Nein, habe ich nicht«, gebe ich leicht genervt zurück, als ich seinen neugierigen Blick von der Seite spüre. Ich erwidere seinen Blick eine Sekunde, ehe mir einfällt, dass meine Wangen immer noch glühen. Hastig schaue ich aus dem Fenster.

»Bist du Rot?«, kommt es verwundert von der Seite.

Mist.

Jetzt hat er’s doch gesehen.

»Keine Ahnung wovon du redest«, erwidere ich ein wenig zu spitz und haue mir gedanklich selber auf den Hinterkopf.

»Scheiße!«, lacht Ryan Paxton, während er an einer roten Ampel hält. »Evelyn Jones wird wegen so einem rot. Ich fasse es nicht!«

»Danke für die Info«, gebe ich angesäuert zurück und verschränke die Arme vor der Brust.

»Hat er dir irgendwas versautes ins Ohr geflüstert oder seine verrücktesten Fantasien offenbart?«

»Gott, Paxton!«, rufe ich genervt, was von meiner Schwester mit einem Schnarcher unterstrichen wird. »Auch, wenn es dich absolut gar nichts angeht: Er hat mich nur nach meiner Nummer gefragt.«

»Und dann wirst du so rot?!« Sein tiefes und raues Lachen schallt durch den Wagen und klingt in meinen Ohren viel zu angenehm für so einen Kerl.

»Könnten wir das Thema bitte fallen lassen?«, versuche ich ihm, das Lachen zu vertreiben, doch auch wenn er still wird, höre ich immer noch das ein oder andere Glucksen neben mir. Und es macht mich wahnsinnig. Schön, dass er Mr. Selbstbewusst ist und ihn sowas nicht interessiert. Aber er muss sich wirklich nicht über jeden anderen lustig machen.

»Tut mir leid, Jones, aber das habe ich nun wirklich nicht von dir erwartet. Ich dachte, das heute Morgen im Café wäre nur gewesen, weil ich daneben stand und er dich überrumpelt hat, aber scheinbar bist du, was Flirten angeht, wirklich eine Nullnummer.«

»Oh, vielen Dank für deine fachlich, kompetente Einschätzung. Bei weiteren Fragen werde ich mich garantiert an dich wenden«, fauche ich und jede Dankbarkeit, die ich bis eben für ihm empfunden habe, hat sich in Luft aufgelöst.

Aus den Boxen in dem Wagen schallt leise Musik. Ich kann nicht zuordnen, wer es ist oder worüber sie singt. Dafür bin ich zu aufgewühlt und kann nicht sagen wo ich mit meinen ganzen Gefühlen hin soll. Mein Kopf ist zugemüllt mit tausenden Gedanken, die ich nicht mehr zu fassen bekomme und in meinem Magen findet ein Tornado der Empfindungen statt.

Dich Lichter der Stadt verschwimmen, werden zu einem einzigen Fluss durch den wir gleiten. Die Menschen, an denen wir vorbeifahren, sind kurze Momentaufnahmen und am liebsten würde ich mich jetzt von dem schwarzen Himmel über uns verschlucken lassen. Es wäre schön, einen Moment lang alles zu vergessen.

Doch ich habe keine Chance dazu. Die Lichter werden klarer und einen kurzen Augenblick später, halten wir am Straßenrand. Ich erkenne das geklinkerte kleine Haus mit dem chaotischen Vorgarten. Kein einziges Fenster ist beleuchtet, was bedeutet, dass Gran und Mum auf mich gehört haben.

Gedankenverloren löse ich den Gurt und steige aus dem Auto aus. Ryan Paxton tut es mir gleich und er unternimmt keinen Versuch, diese unangenehme Stille zwischen uns zu durchbrechen. Das schlechte Gewissen beißt vorwurfsvoll in meine Haut, als ich sehe, wie er Amy aus dem Wagen hievt. Ich greife mir ihre Tasche und wende hastig den Kopf ab.

Ich darf wütend auf ihn sein. Es gibt absolut kein Grund für dieses Gefühl, das sich jetzt unter die anderen mischt.

Unsere Schritte hallen durch die verlassene Straße, mischen sich mit dem Summen der Laterne. Amy nuschelt irgendetwas, doch diesmal drehe ich mich nicht zu ihm um. Stattdessen krame ich den Schlüssel aus meiner großen Jackentasche und streiche mir eine lange Strähne aus dem Gesicht. So leise es geht, schließe ich auf. Kurz bin ich versucht, ihm zu sagen, dass er gehen kann, doch da steht er mit ihr bereits neben mir.

»Gerade aus ins Wohnzimmer aufs Sofa«, platzt es da auch schon aus mir heraus. Ich meide den Augenkontakt, kann jedoch sehen, dass seine sonst so gut gelaunten Gesichtszüge einer ernsten Maske gewichen sind.

Amys Schuhe klackern laut über den Boden und ich schaue nervös die Treppe hoch, nachdem ich die Tür hinter mir zugezogen habe. Doch oben bleibt es still. Ein Seufzer kriecht über meine Lippen, dann gehe auch ich ins Wohnzimmer und schließe auch diese Tür hinter mir, damit uns keiner belauschen kann. Alles eine reine Vorsichtsmaßnahme, weil ich genau weiß, was für zwei Tratschtanten in diesem Haus leben, die außerdem einen sehr leichten Schlaf haben.

Ich gehe in die Küche, während Paxton Amy auf das Sofa legt und hole ein Glas heraus, das ich mit Wasser fülle. Anschließend krame ich noch zwei Schmerztabletten aus der Schublade mit der Hausmedizin und gehe wieder zu meiner kleinen Schwester. Ohne Paxton zu beachten, der ihr die Schuhe von den Füßen zieht, stelle ich die beiden Sachen ab und greife nach der alten Decke, die ich auseinanderfalte. Ich breite sie über Amy aus, die bereits schläft und schaue einen langen Moment in ihr so unschuldiges, viel zu überschminktes Gesicht.

Warum macht sie bloß so ein Mist?

»Ich wollte dich nicht kränken«, sagt Paxton plötzlich in die Stille. »Ich kann’s nur nicht fassen, dass du bei einer doofen Frage nach deiner Nummer rot wirst.«

»Was soll das denn heißen?« Ich lasse von der Alkoholleiche vor mir ab.

»Denk mal an unsere erste Begegnung«, versucht er mir, auf die Sprünge zu helfen und schüttelt dabei leicht ungläubig den Kopf. »Du hast mir in den Arsch getreten bei Sprüchen, die jede andere sprachlos gemacht hätten.«

»Das war doch nur, weil ich wusste, dass du ein Idiot bist.«

»Vielen Dank«, kommt es etwas missgelaunt von Paxton.

»Nein, so meinte ich das nicht.« Ein Grinsen tritt auf mein Gesicht, als ich den angesäuerten Ausdruck in seinen Augen sehe. »Bei dir hat man gemerkt, dass du es nicht ernst gemeint hast.«

»Was? Du denkst, ich habe das nicht ernst gemeint?«

»Doch, du hast es bestimmt ernst gemeint. Aber auf eine sehr billige Art, die keinem Mädchen den Kopf verdreht oder für Herzrhythmusstörungen sorgt«, erkläre ich und gehe in die Küche, gefolgt von dem Footballer.

»Ich verdrehe einer Menge Frauen den Kopf und die meisten…«

»Paxton, ich rede von sowas wie Gefühlen. Echtes Interesse. Verstehst du?« Ich wirble herum und schaue ihn fragend an. Er tritt langsam neben mich und lehnt sich an die Arbeitsplatte. Sein schwarzes Haar ist zerzaust und er mustert mich mit seinen blauen Augen, die unendlich tief zu sein schein. Lässig verschränk er die Arme vor der Brust, wobei sein Pullover sich enger über seine Schultern spannt.

Es kostet mich ziemlich viel Mühe, nicht dahin zu blicken.

»Das heißt, du bist rot geworden, weil der Typ wirklich mit dir auf ein Date wollte?«

Führe ich dieses Gespräch gerade wirklich mit dem Typen?

»Ja, auch wenn ich zugeben muss, dass das früher nicht so war mit dem rot werden«, brumme ich und nehme mir eine Tafel Schokolade aus dem Schrank.

»Früher? Was hat sich seit früher denn verändert?« Ich halte in der Bewegung inne und starre auf die Schokolade in meiner Hand.

»Zu viel«, sage ich leise und breche ein Stück von der dunklen Versuchung ab. »Möchtest du auch?« Ich halte ihm die Packung hin, doch er lehnt kopfschüttelnd ab.

»Ist zu viel auch der Grund, aus dem du heute Vormittag weggerannt bist?«

Mein Ablenkungsmanöver ist fehlgeschlagen.

»Ich bin nicht weggerannt«, nuschel ich und beiße ein Stück ab, wobei ich mich umdrehe und auf die schlafende Gestalt auf dem Sofa blicke.

»Wenn sich jemand umdreht, und anfängt zu rennen, ist das für mich eindeutig wegrennen«, gibt Paxton nüchtern zurück und ich spüre seine Augen auf mir. Eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Arm aus und ich knabbere auf meiner Unterlippe. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit um aus diesem Schlamassel herauszukommen: Angriff.

»Hast du das mit Amy nur gemacht, um mich auszufragen?«, fahre ich ihn an.

»Wie bitte? Ich…«

»Woher wusstest du eigentlich, dass sie meine Schwester ist?«

Er starrt mich fassungslos an, öffnet den Mund und schließt ihn wieder. Man kann förmlich sehen, wie er versucht, unsere Konversation nachzuvollziehen. Leider ist ihm das nicht ganz möglich und es tut gut zu sehen, dass ich ihn diesmal durcheinanderbringe.

»Ich habe ihre roten Haare gesehen, als wir auf dem Dach waren und Zoe hat ihren Namen erwähnt. Außerdem hatte sie ziemlich viele unbeantwortete Anrufe. Die meisten von einer Eve. Ich bin zwar Footballer und vielleicht kein Genie, aber eins und eins kann ich dennoch zusammenzählen«, erklärt er ruhig, wobei er mich fest im Blick hält.

Wie kann er so verdammt ruhig bleiben, obwohl ich ihn so doof anfahre? Ich schließe die Augen, wende den Kopf ab und ein verärgerter Laut entfährt mir.

»Sorry, ist nicht so mein Tag«, sage ich ruhig. »Und du bist gerade das Ventil, das alles abbekommt.«

»Schon gut. Meiner war nicht besser«, gesteht er.

»Du hättest wenigstens einen guten Abend gehabt, wenn Amy nicht gewesen wäre«, gebe ich mit einem Nicken in ihre Richtung zu bedenken. »Und zu allem Überfluss musst du dich dann noch mit ihrer schlecht gelaunten Schwester rumschlagen, obwohl ich dir echt, was schuldig bin.«

»Der Abend wäre wahrscheinlich bei Weitem nicht so lustig geworden.«

»Was?« Ich schaue auf und finde einen breit grinsenden Typen neben mir.

»Naja, während du mit Jax beschäftigt warst, hat deine kleine Schwester mir ein paar Kleinigkeiten verraten«, gesteht er und stößt sich von der Arbeitsplatte ab. Meine Kehle wird trocken.

»Was hat sie dir gesagt?«, will ich wissen und spüre eine leichte Panik in mir aufsteigen.

»Ach. Dies und das.«

»Paxton!«, ermahne ich ihn zähneknirschend, doch er hat bereits die Wohnzimmertür geöffnet und macht sich auf den Weg nach draußen. »Das ist nicht lustig!«

»Findest du nicht? Also im amüsiere mich köstlich«, lacht er, während er die Haustür öffnet.

»Sag mir was…«

»Ich bin ein Gentleman, Jones. Ich dachte, das wüsstest du mittlerweile. Und ein Gentleman schweigt, wenn ihm eine hübsche junge Frau, Geheimnisse anvertraut.«

»Du und Gentleman? Das ich nicht lache!«, erwidere ich empört und starre in das viel zu gut gelaunte Gesicht.

»Ich bin sehr enttäuscht, dass du so von mir denkst«, sagt er mit gespielter Enttäuschung in der Stimme. Auf diese Doofheit kann ich nicht anders reagieren, als die Augen zu verdrehen. »Das war übrigens ein sehr gutes Ablenkungsmanöver, aber ich hoffe, dir ist klar, dass ich nicht so leicht abzuwimmeln bin.«

»Gute Nacht, Paxton«, versuche ich, seine Aussage herunterzuspielen, und sehe in seinen Augen etwas aufblitzen, was mir Angst macht.

»Schlaf gut, Jones«, verabschiedet er sich mit einem schiefen Lächeln, dann dreht er sich um und läuft zu seinem Wagen zurück. Bevor ich anfange, ihm nachzustarren, schließe ich die Tür. Ich hole tief Luft, schließe einen Moment die Augen und wie von selbst wiederholt sich in meinem Kopf dieses dämliche Gespräch, verdrängt die dummen Momente von dem Tag und meine Mundwinkel wandern langsam nach oben.

»Was für ein Vollidiot«, murmel ich und wünschte, dass ich diese Beleidigung viel ernster meinen könnte.

»Also ich fand den Herren ausgesprochen ansehnlich. Wer ist das?«, höre ich die Stimme von Gran hinter mir.

»Er hat einen hübschen Hintern«, meldet sich eine zweite Stimme, als ich herumwirbele und verdattert die Treppe hinaufstarre in der in Nachthemden zwei Leute hocken, als würden sie eine Reality Soap schauen.

»Ihr sollt ins Bett gehen!«, schimpfe ich.

»Und so ein Dessert verpassen?«, grunzt meine Großmutter diabolisch.

»Gran!«, fluche ich.

»Jetzt mal im ernst, Schatz: Wer war das?«, mischt meine Mum sich ein, während ich die Treppe hinaufgehe.

»Also ich habe ihn auch noch nie gesehen«, stimmt Gran nachdenklich hinzu.

»Interessiert euch gar nicht, was mit Amy ist?«, will ich wissen, als ich mich an den beiden alten Tratschtanten Vorbeidränge.

»Lebt sie noch?«, fragt Gran.

»Natürlich!«, erwidere ich etwas schockiert und steige die letzten Stufen hinauf.

»Dann ist doch alles gut.«

»Die kriegt ihr Fett morgen weg«, fügt Mum hinzu und rafft ihren Morgenmantel etwas enger an sich. »Also. Möchtest du uns was zu dem…«

»Gute Nacht!«, sage ich laut und ignoriere die Proteste, während ich mich beeile, in mein Zimmer zu kommen.

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