»Scheiße, Nein! Ich liefere kein Bier und ich begleite auch Niemanden! Das ist ein dämlicher Streich gewesen, ihr Idioten!«, knurre ich in mein Handy, nur um gleich darauf aufzulegen und das Ding wütend auf den Tresen zu pfeffern. Es gibt einen dumpfen Knall, der durch den leeren Raum schallt und die leise Musik übertönt. Neben mir legt Zac Geldscheine auf den Tresen und lässt Münzen zurück in die Kasse fallen.

Ein Schnauben entfährt mir, als ich seinen belustigten Blick von der Seite sehe.

»Immer noch?«, ist das Einzige das er wissen will, fährt sich mit der Hand durch das hellbraune zerstrubbelte Haar.

»Scheinbar haben sie die blöden Flyer an ein paar mehr Orten aufgehängt, als wir gedacht haben.« Mit zusammengepressten Lippen greife ich nach dem Lappen mit dem ich eben den Tisch abgewischt habe und wringe ihn sehr unsanft über der Spüle aus.

»Sei nicht so sauer«, lacht Zac und klopft mir im vorbeigehen auf die Schulter, »ich finde du siehst wirklich gut drauf aus.«

»Danke für das Kompliment«, murmle ich sarkastisch und wünsche mir, dass die Cheerleaderin, die diese dämlichen Einfälle hat, der Lappen in meiner Hand wäre, den ich gerade zusammenknülle.

Leider habe ich keinen blassen Schimmer wer es ist und ich bin mir sehr sicher, dass es keiner ist, den ich kenne. Nein, die Quelle befindet sich außerhalb meiner Reichweite und es macht mich wahnsinnig. Ich schaue meinem Gegner lieber direkt ins Gesicht anstatt so ein blödes Versteckspiel zu spielen.

»Sieh’s positiv: Die hätten auch ein hässliches Bild von dir nehmen können«, vernehme ich Zac von der Seite, der gelassen das Geld zählt.

»Dann hätte ich wenigstens nicht so viele Anrufe bekommen.«

»Du wärst in deinem dämlichen Stolz, aber sehr verletzt gewesen.«

Muss der Idiot immer ins Schwarze treffen?

Ich presse die Lippen zusammen, als die Tür aufgeht und ein Windzug Zac beinah zwei Scheine wegweht. Als ich mit grimmiger Miene aufsehe, entdecke ich mein Spiegelbild und das absolute Gegenteil. Alex, ein breiter Typ mit dunkelblonden Haaren und sehr unglücklichem Gesichtsausdruck stampft neben Scarlett in die Bar. Ihre schulterlangen hellblonden Haare wippen bei jedem Schritt mit und für das breite Lächeln würde ich sie heute gerne direkt aus der Bar verbannen. Doch seit sie mit Zac zusammen ist, muss ich die verfluchte gute Laune der beiden ertragen. Es ist definitiv besser als der Zoff, der vorher zwischen den beiden herrschte, doch heute brauche ich diese Grinsekatzen nicht.

»Ich finde diese Flyer fantastisch«, ist das Erste, das ich von Scarlett höre, als Alex drei weitere Zettel auf den Tresen legt.

»Dean hat auch noch zwei gefunden«, murmelt er genervt. Scarlett schnappt sich hastig einen und betrachtet in aller Ruhe den Flyer auf dem für wirklich jeden lesbar Bierlieferung und Eskortservice steht. Darunter ein Bild von mir und ein paar anderen Footballern, wie wir Oberkörperfrei in einem Pool stehen und in die Kamera Grinsen. Neben einem kleinen Text in dem es um Lieferung frei Haus geht, gehen ein paar Pfeile mit Telefonnummern zu jedem, der auf diesem Plakat steht.

»Hör auf die dämlichen Footballer anzugaffen«, meldet Zac sich von der Seite und bekommt wieder diesem leicht eifersüchtigen Blick.

»Genau«, stimme ich zu und ziehe ihr das kleine Blatt aus der Hand, »du hast einen Kerl, den du anstarren kannst.« Ich ignoriere ihren stummen Protest, schnappe mir die anderen Flyer, die auf dem Tresen liege und zerreiße sie elanvoll in kleine dämliche Schnipsel, die keine Nummer mehr erkennen lassen.

»Ich habe heute vier Anrufe bekommen«, knurrt Alex.

»Dean auch und Miles und ich sechs.«

»Scheiß, Cheerleader«, knurrt Alex genervt.

»Ich schwöre dir, ich werde Zoe morgen Abend auf der Party in Grund und Boden stampfen für so eine dämliche Aktion.«

»Ich stampfe mit«, brummt der breite Kerl vor mir.

»Ach kommt schon«, meldet Scarlett sich lachend von der Seite, »gönnt den Cheerleadern doch mal einen Erfolg.«

»Einen?« Ich wirble herum und schaue sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Soll ich dich an meine blauen Haare erinnern und daran, dass die Spieler des gegnerischen Teams uns ausgelacht und mir Blumen geschickt haben?!«

Sie presst die Lippen zusammen, kann die Grübchen auf ihren Wangen jedoch nicht verbergen.

In den Momenten in denen sie für die Cheerleader Partei ergreift, kann ich sie nicht ausstehen.

»Der Strauß roter Rosen war doch sehr charmant.«

Ich muss scheinbar Zac und Scarlett umbringen. Oder ihnen die Freundschaft kündigen. Wenigstens die nächsten Tage.

»Auf welcher Seite steht ihr eigentlich?«, will ich scharf wissen und sammle meine Sachen zusammen.

»Auf deiner Ryan, aber manchmal tut es deinem Ego gut einen auf den Deckel zu bekommen«, erklärt Scarlett achselzuckend, während Zac ihr einen Kuss auf das Haar gibt.

»Vielen Dank«, antworte ich spitz, was Zac heiser auflachen lässt.

»Entspann dich, Ryan. Immerhin hast du so die ein oder andere hübsche Dame abbekommen, wenn ich mich nicht irre.« Zac sieht mich wissend an, während Scarlett überrascht der Mund offenbleibt.

»Du hast das ausgenutzt?!« Verdutzt starrt sie mich an.

»Man muss immer das Beste aus der Situation machen«, gebe ich zurück und höre neben mir das Glucksen von Alex.

»Damit ist mein Mitleid für deine Situation auf ein Minimum geschrumpft«, verkündet sie und verschränkt die Arme vor der Brust. »Ich ergreife Partei für die Cheerleader.«

»Verräterin«, spricht Alex das aus, was mir durch den Kopf schießt.

»Ich würde mich ja auf eure Seite schlagen, aber ich will heute Abend noch Sex haben.« Ich kann gar nicht so schnell gucken wie er einen Ellenbogen in der Magengrube hat und Scarlett ihn mit einem strengen Blick straft, der den so selbstbewussten Kerl in einen zahmen Welpen verwandelt. Genau so geht es zwischen Ethan, dem älteren Bruder und Besitzer der Bar und Kayla, der besten Freundin von Scarlett ab. Meine Schlussfolgerung? Verliebtsein ist Mist.

 »Komm Alex, das hier ertrage ich nicht länger«, seufze ich und ziehe mir meine Lederjacke über.

»Echt ey. Viel zu viele Gefühle im Raum«, stimmt der Linebacker und mein Mitbewohner zu.

»Sieh zu, dass du morgen nicht zu sehr feierst. Du musst Samstag arbeiten.«

»Das bekomme ich auch mit Kater hin«, antworte ich Zac im Gehen.

»Ich habe nur keine Lust, dass du alle zehn Minuten verschwindest um zu Kotzen.«

»Das war nur ein Mal und Schuld war Coopers Selbstgebrannter«, verteidige ich mich.

»Ich sag’s ja nur.« Abwehrend und mit einem fetten Grinsen im Gesicht, hebt Zac die Hände, während Scarlett daneben sitzt und mich kopfschüttelnd betrachtet.

»Keine Angst, das wird nicht wieder passieren«, rufe ich, als Alex und ich die Bar verlassen. Kalte Luft empfängt uns und ich stoße einen leisen Fluch in die Nacht, weil ich wirklich nicht damit gerechnet habe, dass es so kalt werden würde.

»Paxton?«, spricht der Linebacker mich an nachdem die Tür hinter uns zugefallen ist.

»Ja?«

»Wenn ich mich nicht Irre hat Cooper von seinen Eltern Selbstgebrannten mitgebracht.«

Super.

 

 

Krafttraining um neun Uhr ist die reinste Folter, wenn man bis drei Uhr wach war und gearbeitet hat. Ich bin stocknüchtern und trotzdem fühlen meine Muskeln sich heute Morgen an, als wären sie von Alkohol durchtränkt. Erschöpft nehme ich einen Schluck Wasser aus der Flasche und wische mir den Schweiß von der Stirn.

Schwer atmend schaue ich zu Miles Cooper, der Liegenstütz macht als gäbe es kein Morgen. Der Quarterback der Aztecs zählt leise mit, während ich seine rasierten Schädel betrachte auf dem nur wenige Millimeter blonde Haarstoppeln stehen.

Im Trainingsraum riecht es nach Schweiß und Turnhalle. Miles hat sein Handy an die Anlage angeschlossen, sodass leise Musik durch den Raum schallt und ihn noch mehr antreibt. Durch das Fenster sehe ich den klaren Himmel, der nicht erahnen lässt, dass draußen – für San Diego – eisige Temperaturen herrschen.

»Hast du schon schlapp gemacht, Paxton?« Im Gehen wischt Dean Carter sich mit dem Handtuch das Schweiß vom Gesicht und bleibt neben mir stehen.

»Es ist anstrengend genug Cooper bei seinem Wahnsinn zuzusehen«, erkläre ich.

»Sieht aus, als wäre er ein Robotor.«

»Oder ein Mutant.«

»Vielleicht schluckt er irgendwelche Pillen.«

»Das Einzige, das er schluckt ist Viagra.«

»Für meine Potenz brauche ich nichts schlucken!« Cooper stoppt mitten in der Bewegung.

»Zu emotional für eine Maschine«, sagte ich zu Dean, der sich ein Lachen nicht verkneifen kann.

»Du hast heute eine ziemlich große Klappe, Paxton«, fährt er mich an und greift nach dem Handtuch, das er über einen Stuhl gehangen hat.

»Ich übe nur für unsere hübschen Cheerleader.«

Ein lautes Schnauben ertönt von Miles.

»Wegen diesen Ziegen habe ich heute morgen um halb sechs wieder einen Anruf bekommen. Danach konnte ich wieder nicht schlafen.«

Neben mir runzelt Dean die Stirn, während der Quaterback gierig Wasser trinkt.

»Warum schaltest du dein Handy nachts nicht einfach aus?«, will er wissen und steht auf.

»Um mir Gelegenheiten für Sex entgehen zu lassen? Nein, da ertrage ich lieber das wach werden.«

Ich wechsle einen vielsagenden Blick mit Dean, der gar nicht mehr aus dem kopfschütteln kommt und stehe ebenfalls auf.

»Du bist unmöglich«, stelle ich fest und zusammen verlassen wir den Trainingsraum.

»Nein, ich bin nur weise.«

»Und sehr notgeil«, ergänzt Dean, woraufhin wir beide lachen müssen. Miles stößt einen kleinen Fluch darüber aus, dass er miserable Teamkollegen hat, als wir auf den Flur zu der Umkleide gelangen. Ich höre eine bekannte Stimme und keine Sekunde später kommt Zoe – Team-Captain unserer nervigen Cheerleader aus der Umkleide. Wie immer trägt sie diese hübschen engen, kurzen Sporthosen und ein lockeres T-Shirt. Ihre langen blonden Haare hat sie zu einem hohen Zopf gebunden. Sie lacht laut und ich kann mir vorstellen, dass ihr kleiner Streich der Grund für die Freude ist.

»Wir müssen reden, Zoe!«, pfeffert Miles los, ehe ich oder Dean etwas sagen können. Überrascht wirbelt sie herum und das Lachen erstirbt. Im gleichen Moment kommt jemand aus der Umkleide, den ich noch nie gesehen habe.

»Hallo, Miles«, kommt es zuckersüß von der Cheerleaderin, während wir näherkommen und ich interessiert die Kleine betrachte, die sich neben Zoe stellt und uns neugierig mustert.

Sie hat braune, lange Locken, die ihr bis auf die Schultern fallen und trägt eine hautenge Jeans und einen lockeren schwarzen Pulli, der ein Stück Schulter freigibt.

»Wir werden heute Abend ein ernstes Gespräch führen müssen«, vernehme ich Miles neben mir, während ich den Kopf schief lege um den Körper der hübschen Unbekannten zu mustern, ehe ich mich dem Gesicht widme, das von fantastischen Lippen und einer kleinen Stupsnase geziert wird.

Und dann sind da die gigantischen Augen, die mich abfällig anschauen.

»Fertig mit Gaffen?«, will sie scharf wissen.

Fuck.

Eine heiße Fremde, die direkt die Krallen ausfährt. Was gibt es schöneres?

»Ich würde gerne damit weitermachen. Vielleicht in der Umkleide aus der du gerade gekommen bist?«, schlage ich mit einem schiefen Lächeln vor.

»Scheiße«, murmelt sie und wendet sich an Zoe, »welcher von den Idioten ist das?«

»Paxton«, antwortet die Cheerleaderin gelangweilt.

»Du kennst mich? Fantastisch, dann können wir den Part mit dem Kennenlernen direkt übergehen.«

»Klar, kommen wir direkt zum Heiraten und dem Kinder kriegen«, schlägt sie vor.

»Lass uns das mit den Kinder machen vorziehen und das mit dem Heiraten vertagen«, halte ich gegen und neben mir höre ich Dean ein Lachen unterdrücken.

»Weißt du Paxton, mit einem Kerl wie dir würde ich nur Kinder adoptieren.« Sie schenkt mir einen entschuldigenden Blick, der vor Hohn nur so trieft und greift nach Zoes Hand. Die kann sich vor Lachen kaum noch halten und lässt sich mitziehen. Dean und Miles machen für die beiden Platz, die entspannt zur Turnhalle laufen.

Ich schaue der Unbekannten hinterher, deren Arsch fantastisch aussieht und beiße mir auf die Lippe.

Verflucht.

Die hat mir gerade echt eine knallharte Abfuhr erteilt.

»Was zum Teufel war das?!« Ich kriege einen Schlag gegen die Schulter und sehe nur noch im Augenwinkel wie die beiden um die Ecke biegen.

»Was denn?«

»Du hast mir vorgeworfen, dass ich notgeil bin, aber was war das denn dann bitte? Ein Dreizehnjähriger, der das erste Mal in seinem Leben nackte Brüste anfasst und direkt abschießt? Dabei wollte ich eigentlich Zoe zusammenscheißen«, sagt Miles kopfschüttelnd.

»Sie sieht heiß aus. Warum sollte ich mein Glück da nicht versuchen?«, protestiere ich.

»Weil sie mit Zoe unterwegs ist? Du hast doch an ihrem Blick gesehen, dass sie keinen Bock auf dich hat.«

»Das lag bestimmt an euch.«

»Klar, darum haben auch wir diese bittere Abfuhr bekommen«, meldet Dean sich grinsend zu Wort.

»Die war echt knallhart«, lacht Miles. »Wenn eine Frau dir sagt, dass sie mit dir nie schlafen würde, hast du echt verkackt.«

Herzlichen Dank, Unbekannte. Jetzt darf ich mir die nächsten Wochen anhören wie du mich hast stehen lassen.

Aber glaub ja nicht, dass wir uns nicht wiedersehen.

Und dann kriege ich dich.

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