20. Ryan

»Warum gehst du denn so auf sie los?«, will ich von Miles wissen, der genervt stöhnt und verzweifelt versucht nicht über die Schulter zu schauen und einen Blick auf Zoe zu erhaschen. Ich konzentriere mich auf seinen angestrengten Gesichtsausdruck, um mich selber vor dem Fehler des Umdrehens zu bewahren. Dabei würde ich zu gern noch mal in die funkelnden braunen Augen schauen. Denn mittlerweile weiß ich, dass ich ganz genau hinschauen muss, um zu wissen, was in ihr vorgeht. Vielleicht schafft sie es, vieles vor anderen zu verstecken, doch nicht Länger vor mir. Natürlich ist mir ihre Wut entgegengeschlagen wie ein Tornado, doch ich habe auch Enttäuschung gesehen. Zwar nur einen Wimpernschlag, doch sie war da und ich frage mich, ob es wegen mir ist. Immerhin habe ich mich, wegen dem Trottel, der jetzt neben mir läuft, wie ein Arschloch aufgeführt. Natürlich hätte ich seine Herausforderung unterbinden können, aber es war so schön, zu wissen, dass wir wieder miteinander sprechen, dass ich nichts riskieren wollte. Außerdem kann Jones sich sehr gut wehren, was sie ja mal wieder bewiesen hat.

»Sie macht mich wahnsinnig«, reißt Miles mich aus den Gedankenstrudel und erst jetzt realisiere ich, dass wir bereits am Auto stehen. »Ich kriege keinen klaren Kopf, wenn sie da ist!« Er rauft sich die Haare, lässt den Blick rastlos umherwandern.

Ich würde ihm gerne sagen, dass das normal ist, wenn man so verschossen ist, wie er, doch ich muss nicht wieder direkt, alles in den Sand setzten.

»Frauen treiben einen regelmäßig zur Weißglut«, erkläre ich gelassen und sperre den Wagen auf.

»Nein, das ist anders«, brummt er, während ich die Trainingstasche in den Kofferraum werfe und sehr aufmerksam werde. »Das ist…« Ich schaue auf, sehe, wie er nach Worten sucht, doch ehe er sich endlich selbst eingesteht, was los ist, schüttelt er den Kopf. »Ach vergiss es«, winkt Miles ab und schlägt die Kofferraumklappe zu.

»Wir können der Horde in nächster Zeit aus dem Weg gehen. Die einzige Zeit, zu der wir sie ertragen müssen, ist das Training«, beruhige ich den aufgebrachten Quarterback. Ich kann nur hoffen, dass er in nächster Zeit seine Gefühle in der Umkleide lässt, ehe wir zum Feld gehen. In dem Zustand wird er nichts auf die Reihe bekommen, was uns eine Menge Krafttraining als Strafe einbringen könnte.

»Ja«, stimmt er zu, als wir uns ins Auto setzten und ich den Motor starte. »Die Volleyballerinen sollen nett sein.« Ich weiß nicht, ob er mit mir spricht, den sein Kopf ist stur geradeaus gerichtet und seine Augen sind glasig. Seine Worte waren lediglich ein leises Seufzen und ich brauche nicht groß zu überlegen, dass er sich gerade Zoe in Volleyballmontur vorstellt.

Wie Jones wohl darin aussehen würde? Kann sie überhaupt spielen?

Ich denke an die hübschen Beine, die sich heute so elegant bewegt haben und ihre Haare, die durch die Luft wirbeln…

»Paxton!«, schreit Miles plötzlich neben mir und ich komme gerade noch so zu mir, dass ich auf die Bremse treten kann und die rote Ampel nicht überfahre. Wir werden ein Stück nach vorne geschleudert und ich spüre mein Herz, das einen kleinen Satz macht, als ein dicker Geländewagen über die Kreuzung jagt. Wir wären direkt in ihn reingefahren.

»Volleyballerinnen sind eine gute Idee«, stimme ich leise zu, sehe im Augenwinkel, wie Miles nickt.

Von den Cheerleadern sollte ich mich demnächst lieber fernhalten. Besonders vor einer, die mich gerade beinah mein Leben gekostet hätte.

 

 

Ich habe ein wenig bammel, als ich in die schmale Gasse trete und das vertraute Schild sehe auf dem Rooster steht. Eigentlich fühle ich mich immer selbstsicher und der Weg zur Bar ist immer etwas wie nach Hause kommen für mich. Heute werde ich allerdings nicht von zwei Elternteilen erwartet, die mich glücklich in die Arme schließen und mir dann ein Eis geben. Nein, es fühlt sich eher so an, als hätte ich in der Schule eine schlechte Note kassiert und müsste es beichten. Das ist wirklich ein miserables Gefühl.

Langsam trotte ich den Weg entlang und presse die Lippen zusammen, ehe ich die schwere Holztür aufstoße. Der vertraute Geruch, eine Mischung aus Holz, Alkohol, Putzmittel und etwas süßlichem, steigt mir sofort in die Nase und beruhigt mich etwas. Zu meinem Glück sehe ich dann noch eine vertraute Silhouette mit blonden, schulterlangen Haaren vor mir, die in einem hübschen Kleid hinter der Theke am wirbeln ist.

»Hey, Scar«, begrüße ich die Freundin von Zac und bekomme zu meiner Überraschung kein Lächeln. Nein, sie sieht aus, als würde sie mir am liebsten sofort den Hals umdrehen, weswegen ich langsam weitergehe, als würde ich mich an ein Raubtier anschleichen. »Alles…?«

»Bist du eigentlich wahnsinnig?! Einfach so zu verschwinden mit so einer miesen Laune und den Beiden nicht zu antworten?!«, faucht Scar und schleudert eine Packung Servierten nach mir, der ich noch gerade so entgehen kann. »Weißt du, dass wir uns alle Sorgen gemacht haben um dich!?«

»Ich bin doch nur…«, versuche ich, mich zu verteidigen, und fange im selben Moment eine Packung auf, die mir schon wieder entgegenfliegt.

»Du bist im Streit abgehauen! Sowas macht man nicht!«

»Hast du das früher nicht auch getan?!«, halte ich leicht verärgert dagegen.

»Ich bin allerdings auch in der Lage auf mich aufzupassen!« Scar stemmt die Hände gegen die Hüften und funkelt mich an, während ich ein Schmunzeln nicht länger unterdrücken kann.

»Und ich, als gestandener Mann und Footballer bin nicht in der Lage mich zu verteidigen?«

»Natürlich nicht. Ihr Männer seid hoffnungslos verloren ohne eine Frau und irgendwann wirst du das auch mal einsehen«, erwidert sie, als wäre es die absolute Wahrheit, doch nun sehe ich auch, dass ihre Mundwinkel zucken. »Ernsthaft, Ryan. Mach sowas nicht.« Ich komme nicht dazu zu antworten, denn da stürmt die kleine Frau schon auf mich zu und schlingt ihre Arme um meinen Hals. Ich werde ein ganzes Stück nach unten gezogen und dann wird mir von dem zierlichen Geschöpf die Luft abgedrückt.

»Luft«, krächze ich, doch erst als die Tür aufgerissen wird und ich die bekannten Umrisse von Zac und Ethan sehe, lockert sie ihren Griff etwas. Zwar weiß der Gute, dass ich mich niemals an sie ranmachen würde, doch als ich seine zusammengekniffenen Augen sehe, beeile ich mich, etwas Abstand zwischen uns zu bringen.

»Bevor ihr ihn zur Schnecke macht: Ich habe ihn bereits mit Servierten abgeworfen«, kommt Scar Zac zuvor, der bereits den Mund öffnet. Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, ehe er die Packungen auf dem Boden sieht.

»Er hatte wahrscheinlich keine Chance«, kommentiert er das Chaos, das sich vor uns befindet.

»Natürlich nicht. Ich habe auch direkt die weiße Fahne gezückt, als ich sie gesehen habe«, erwidere ich vollster Überzeugung.

»Macht euch nicht lustig über mich!«, protestiert Scar, als sie sieht, dass Ethan sich mit aller Macht ein Grinsen verkneift.

»Tut mir leid, Kleine, aber das ist wirklich…«

»Sprich. Es. Nicht. Zu. Ende.« Sie hat den Finger erhoben, deutet bedrohlich auf Zac, der sofort die Hände hebt und einen Schritt zurückmacht.

»Schon gut, ich bin schon still«, gibt er nach und selbst Ethan scheint ein paar Zentimeter hinter ihm zu schrumpfen.

»Ich werde jetzt ins Lager gehen und irgendwelche Kartons aufräumen und sobald ich wieder hier bin, möchte ich nur lächelnde Gesichter sehen.« Scarlett wirft jedem einzelnen von uns einen warnenden Blick zu, unter dem ich auch ein wenig einsacke. Die Kleine hat echt viel zu viel Pfeffer im Hintern. Keine Ahnung wie Zac damit klarkommt.

Dann zieht sie lauter als nötig die Tür hinter sich zu und überlässt mich den beiden Jungs, die ihr eine Sekunde nachschauen. Als sie sich mir zuwenden, ist der belustigte Ausdruck weitestgehend aus ihren Augen verschwunden.

»Hast du wenigstens eins der Pakete ins Gesicht bekommen?«, durchbricht Ethan nach einem langen Moment die Stille und deutet mit dem Kopf zu einem der Packungen, die auf dem Boden liegen.

»Bei den Wurfkünsten wäre das durchaus möglich gewesen«, brumme ich und denke an ihre völlige Unfähigkeit was das Werfen betrifft.

»Hast du wenigstens ein schlechtes Gewissen?« Zac kneift ein Stück mehr die Augen zusammen und fixiert mich.

»Wie soll ich denn kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn ihr sie als erstes auf mich loslasst?«, will ich wissen, verziehe bei dem Gedanken an ihre Worte leicht das Gesicht. Ich hasse es, wenn Freunde sauer auf mich sind und mich so direkt damit konfrontieren wie Scar es drauf hat.

»Dann hat wenigstens eine Sache funktioniert.« Ethan verschränkt verärgert die Arme vor der Brust. »Und? Hast du uns noch was zu sagen?«

»Mein Liebesleben ist für euch ein Tabuthema bis ich vielleicht irgendwann mal zu euch komme und frage, ob ihr mir helfen könnt und ich will keine Beleidigungen mehr hören. Davon bekomme ich schon genug an den Kopf geworfen.«

»Das war nicht ganz das, was Ethan meinte, aber gut. Ist notiert«, sagt Zac, ehe der große Bruder von Scarlett mich überrennen kann. Ich kann den Unmut über meine dreite Antwort in seinen Augen sehen, doch ich werde nicht angekrochen kommen. »Und weiter?«

»Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass ihr euch solche Gedanken macht.«

»Um jemanden wie dich muss man sich dauernd Gedanken machen«, erklärt Zac augenverdrehen.

»Was soll das denn heißen?«

»Du hast es angetrunken fertig gebracht, Scar zu entführen!«

»Ich bitte dich, Zac«, brumme ich. »Sie hatte Geburtstag und ihr wart alle mies gelaunt. So lässt man keine Frau ihren einundzwanzigsten Geburtstag verbringen.«

»Gut, dann war es eben nur eine Ausnahme«, seufzt Ethan und unterbricht das Blickduell zwischen uns. »Du bist angetrunken nur leider unberechenbar. Allein wenn ich an deine komischen Spiele denke, wird mir schlecht.«

»Hey, Zac hat dir die Aufgabe gestellt die Flasche neben der Toilette zu trinken! Das war nicht ich!«

»Ich wusste doch nicht, dass er sie wirklich trinkt!«

»Darum geht es jetzt doch gar nicht!«, unterbindet Ethan jeden weiteren Protest. »Können wir uns einfach drauf einigen, dass wir die Sache vergessen? Bis auf die Punkte, die Ryan genannt hat? Ich finde es nämlich wirklich anstrengend, wenn du nicht da bist. Dann sind wir in der Unterzahl«, gesteht Ethan und geht zum Kühlschrank. Er zieht drei Flaschen Bier hervor und stellt sie auf dem Tresen ab.

»Unterzahl?«, wiederhole ich fragend und komme etwas näher, schiebe mit den Füßen die Packungen beiseite, die ich eben um die Ohren bekommen habe.

»Scar und Kayla haben einen ziemlichen Dickschädel. Zwar können wir dich nicht immer auf unserer Seite wissen, aber du bist eine potenzielle Stimme. Ohne dich versuchen die beide alles, um ihren Willen zu bekommen.«

»Ich habe schon immer gesagt, dass Frauen nur für Probleme sorgen, aber ihr wolltet nicht hören«, grinse ich und nehme das Bier entgegen, das Ethan mir hinhält.

»Naja«, sagt Zac langsam und diesmal wird sein Lächeln so breit, dass ich skeptisch zwischen den beiden Männern hin und her schaue. »Mit alles ist auch wirklich alles gemeint.«

»Dann waren die letzten Vierundzwanzigstunden für euch doch ganz angenehm«, lache ich.

»Ja, sie hätten schlimmer sein können«, gesteht Zac und wir stoßen an.

»Wir sagen dir einfach, wenn wir mal wieder ein wenig Streit gebrauchen können.«

»Geht klar. Vielleicht können wir dann ein wenig mehr Dramatik einbauen.«

»Das klingt nach einem Plan!«, stimmt Ethan zu und mir fällt ein kleiner Stein vom Herzen, als ich merke, dass unsere Auseinandersetzung mit diesem Bier hinfällig geworden ist.

 

 

Als ich am nächsten Morgen mit Miles im Supermarkt vor dem Süßigkeitenregal stehe, ist es, als wäre nie etwas gewesen. Wie üblich zanken wir darüber, ob Chips oder salzige Erdnüsse besser sind und packen ein paar Dinge mehr in den Einkaufswagen, als auf der Liste stehen. Alex wird uns nachher wie sonst auch eine Predigt halten, dass wir unser Budget für diesen Monat so nicht einhalten und dann wird er sich die Donuts nehmen, die wir ihm als Bestechung eingepackt haben und auf dem Sofa verschwinden.

Ich bin gerade dabei Paprika und Tomaten in den Wagen zu legen, als ich in dem nächsten Gang, der zu den alkoholischen Getränken führt, blicke. In der Bewegung halte ich innen und starre auf die rote Haarpracht zu der eine junge Frau gehört, deren Augen suchend zwischen den verschiedenen Weinsorten hin und her sausen.

Habe ich sie nicht erst vorgestern stockbesoffen von einer Party aufgelesen? Wie kommt es, dass sie jetzt schon wieder alleine rumrennt und beim Alkohol steht? Ich persönlich schaffe es nach so einem Absturz mindestens eine Woche nicht, das Zeug anzurühren. Außerdem: Was macht sie an einem Mittwochmorgen im Supermarkt?

Ich zögere nur eine Sekunde, ehe ich den Wagen für Miles stehen lasse, der verschwunden ist, um Wurst und Käse zu holen und zu dem Mädchen schlendere. Kurz zweifel ich, ob meine Sinne mich nicht täuschen, doch dann erkenne ich das Profil, das sehr viel Ähnlichkeit mit dem von Evelyn Jones hat.

Eindeutig. Es ist Amy.

Heute sieht sie wesentlich besser aus. Ihre Haare sind glatt und fallen ihr über den Rücken und die Haut wirkt nicht so angemalt wie auf der Party. Auch ihre Klamotten sind wesentlich legere und statt hoher Schuhe trägt sie alte Vans. Sie sieht viel mehr nach einem Teenager aus und ich bin ein wenig erleichtert – bis sie nach der Weinflasche greift.

»Hattest du vorgestern noch nicht genug?«, will ich wissen und trete mit verschränkten Armen hinter Amy. Diese wirbelt erschrocken herum, hält dabei die Flasche eng an ihren Bauch gepresst und starrt mich mit großen Augen an, die heller sind als die von Jones. Kurz bringt mich die Ähnlichkeit zu ihrer Schwester aus der Fassung, doch sie bemerkt es nicht, weil sie zu sehr darauf konzentriert ist, mich zu identifizieren.

»Blackout?«, frage ich, als ihre Stirn sich vor Anstrengung in Falten legt. »Deine Schwester wird dir den Hals umdrehen, wenn sie erfährt, dass du um die Zeit im Supermarkt bist und Wein kaufst.«

»Der ist für meine Großmutter«, erwidert sie leicht verunsichert, was mir nur ein höhnisches Schnauben entlockt.

»Für deine Großmutter? Fällt dir keine bessere Ausrede ein?« Mit hochgezogenen Augenbrauen mustere ich den Teenager, der aussieht, als würde er Panik bekommen.

»Das ist die Wahrheit!«

»Und wo ist deine Großmutter dann?«

»Sie…«

»Amy?«, werden wir in dem Moment unterbrochen und eine alte Frau kommt um die Ecke, geht direkt auf die Rothaarige zu. »Was brauchst du denn so lange? Ich wollte doch noch …« Sie verstummt, als sie mich entdeckt. Ich bin versucht mich umzuschauen, ob dort irgendjemand ist, doch das Gefühl sagt mir, dass dem nicht so ist. Also lasse ich meine Arme sinken und sehe, wie Amy etwas mürrisch die Flasche ihrer Großmutter reicht und etwas murmelt, doch darauf reagiert die alte Dame nicht.

»Sie haben Amy und Eve vorgestern Nacht nach Hause gebracht«, stellt sie fest und ich wage es nicht, etwas zu sagen. Stattdessen nehme ich das untypische Erscheinungsbild vor mir etwas genauer unter die Lupe. Die Falten in ihrem Gesicht lassen erkennen, dass sie bereits Älter ist, doch die kurzen, hellbraunen Haare, die wild in alle Richtungen abstehen, machen sie jünger. Sie trägt eine Jeans mit hohem Bund, dazu ein paar Lederstiefel, einen dicken Strickpullover und darüber eine graue Weste.

»Oh, Verzeihung«, löst sich die Frau aus ihrer Starre nachdem ich nicht reagiert habe und überquert die letzten Meter zwischen uns. Sie streckt mir die Hand hin und funkelt mich mit strahlenden Augen an. »Elizabeth Jones. Ich bin die Großmutter von Evelyn und Amy.«

Zögerlich nehme ich ihre Hand und werde ein weiteres Mal von dem kräftigen Händedruck überrascht.

»Vielen Dank, dass sie ein Auge auf meine beiden Enkelinnen geworfen haben. Es war sehr nett, die beiden nach Hause zu fahren.«

»Habe ich gerne gemacht«, antworte ich ehrlich und halte dem bohrendem Blick der Frau stand.

»Ich würde sie gerne zum Abendessen einladen. Als Dankeschön«, sagt sie plötzlich und beginnt etwas aus ihrer Handtasche zu kramen.

»Das müssen sie…«

»Oh, ich möchte aber«, widerspricht sie hastig und zieht eine kleine Karte zusammen mit einem Kugelschreiber aus der Tasche. »Haben Sie die Nummer von Evelyn?«

Ich werfe einen verwirrten Blick zu Amy, die genauso überrumpelt zu sein scheint wie ich. Unsere Blicke treffen sich, dann schüttle ich langsam mit dem Kopf. »Nein, aber…«

»Dann schreibe ich die vorsichtshalber einfach auf die Rückseite. Sie können sich melden und dann machen wir ein Termin zum Essen aus. Einverstanden?«

Sie lässt mir keine Zeit und auch keine Chance, um Einwand zu erheben. Plötzlich habe ich eine Visitenkarte mit einer weiteren Handynummer in der Hand und die beiden Frauen winken bereits zum Abschied. Die Augen von Eve’s kleiner Schwester funkeln belustigt, als sie von dannen ziehen und mich wie bestellt und nicht abgeholt, stehen lassen.

»Paxton? Was machst du da? Haben wir nicht noch genug?«, meldet sich Miles aus dem Nichts und schon finde ich den Einkaufswagen neben mir vor.

»Was?«, kommt es mir verwirrt über die Lippen, weil ich immer noch nicht ganz realisiere, was hier gerade geschehen ist.

»Alkohol? Brauchen wir noch welchen?«, hilft er mir auf die Sprünge und deutet auf das Regal neben mir. Kurz starre ich die Flaschen an, dann schüttle ich langsam den Kopf, während Miles langsam weiterzieht. Über die Schulter wirft er mir einen besorgten Blick zu. »Alles in Ordnung? Habe ich irgendwas verpasst?«

»Nein, ich war nur in Gedanken«, wehre ich hastig ab und beeile mich, um etwas zu ihm aufzuschließen. Er sagt irgendetwas von Brot und Milch, als wir an weiteren gefüllten Regalen vorbeiziehen, doch meine Augen haften auf der Nummer, die auf dieser Karte stehen.

Die Wut und Enttäuschung der braunen Augen blitzt in meinem Kopf auf.

Ich denke nicht nach, als ich das Handy aus meiner Tasche ziehe und die Nummer einspeichere. Meine Augen huschen zu dem Quaterback, der zwei Packungen Milch in der Hand hält und irgendetwas vergleicht. Eilig fliegen meine Finger über die Tastatur. Ein Mal lese ich meine Nachricht, dann drücke ich auf Senden.

 

Bei dir und Zoe alles in Ordnung?

Ryan

 

Sie antwortet nicht.

 

Mir hat’s irgendwie das Herz gebrochen, dass er keine Antwort bekommen hat. Und euch so? 🙁

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