»Wie kann man nur so von sich überzeugt sein?!«, frage ich Zoe, als wir die Turnhalle betreten.

»Naja, wenn man gut aussieht, beliebt ist und seine Position auf dem Spielfeld so gut beherrscht, dass einem die Leute zujubeln, denke ich.« Zoe zuckt mit den Achseln, wirft mir einen kurzen Blick von der Seite zu. »Und ich habe gehört, dass er wirklich gut im Bett sein soll.«

Ich bleibe wie angewurzelt stehen und kann nicht verhindern, dass mein Mund ein Stück aufklappt.

»Du warst mit dem Trottel im Bett?!«, will ich wissen, kann einen anklagenden Unterton nicht verhindern.

»Naja«, murmelt sie und schaut leicht beschämt auf ihre Schuhspitzen. »Ich glaube so ziemlich jede war schon mit ihm im Bett.«

»Du bist aber nicht jede!«, widerspreche ich ungläubig, während ich die neugierigen Blicke der Cheerleader bemerke, die bereits in der Halle stehen.

»Falls es dich beruhigt: Ich war betrunken, er war charmant und es war in meinem ersten Semester.«

»Tut mir leid, dass ich dir das sagen muss, aber dein Männergeschmack hat sich seit der Highschool kein Stück gebessert«, seufze ich, was sie nur die Augen verdrehen lässt.

 »Ich bin seitdem auch nicht hübscher geworden, also warum sollte ich meine Ansprüche hochschrauben?«

»Aber vom runterschrauben war nie die Rede«, lache ich. Zoe hakt sich grinsend bei mir ein und zieht mich weiter in die Halle.

»Da du ab jetzt anwesend bist, kannst du ja Eignungstests durchführen.«

»Darf ich Kandidaten direkt ablehnen?«

»Wenn sie stinken, ja«, erwidert sie kopfschüttelnd, während unsere Schritte leise durch die Halle schallen.

Der Geruch von neuen Trainingsgeräten hängt in der Luft, mischt sich leicht mit Schweiß und Wärme. Ich erkenne eine großen Springfloor und eine Airtrackbahn. Als ich die Poms sehe, die auf dem Boden liegen und die Cheerleader, die teilweise Schleifen im Haar haben, breitet sich eine Sehnsucht in meinem Magen aus, die bis in meine Fingerspitzen zieht.

Doch ich weiß, dass ich hart bleiben muss. Egal was passiert.

»Alle mal herhören!«, ruft Zoe laut zu den Frauen, die sich neugierig umdrehen. »Das ist Eve.« Mit einer ausgefallenen Handbewegung präsentiert sie mich, als wäre ich das Ausstellungsstück einer Auktion und ich warte darauf, dass der Erste bietet. Es ist mir ein wenig unangenehm so von den Fremden angestarrt zu werden, doch ich kann nicht verhindern, dass meine Mundwinkel sich verziehen, als sie mich begrüßen, anlachen und teilweise applaudieren und jubeln.

»Ich weiß ja, dass du aufgehört hast, aber wir wollen uns bei dir trotzdem für die Hilfe in den letzten Monaten bedanken«, erklärt Zoe, woraufhin ihr eine große, dünne Cheerleaderin mit rotbraunen Haaren ein Paket überreicht. »Danke, Emily.« Sie nickt der Cheerleaderin, die bestimmt ein Back Spot ist, zu.

»Ich will nichts haben«, murmle ich, kann jedoch nicht verhindern, dass Zoe mir die Schachtel in die Hand drückt.

»Hör auf zu protestieren und mach auf.«

Ich kenne sie lange genug, um zu wissen, dass ich keine Chance habe.

Also kapituliere ich mit einem Seufzen und mache die Schachtel auf.

Fehler.

Brutaler Fehler.

Ein Dolch bohrt sich in meine Brust, als ich die rot-schwarze Uniform erkenne, die ordentlich gefaltet in der Box liegt.

Wie war das mit dem hart bleiben noch mal?

»Ich weiß, dass du nicht mitmachen wirst, aber wir dachten uns, dass du so am Besten weißt, dass du dazugehörst.«

Ich schlucke schwer, erzwinge ein Lächeln.

»Danke«, sage ich leise, versuche nicht das drückende Gefühl überhand nehmen zu lassen, »ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich sagen soll.«

»Du musst nichts sagen.« Breit strahlend steht Zoe vor mir und ich kann ihr ansehen, dass sie meine bröckelnde Standfestigkeit bemerkt. Darum schlage ich hastig die Box zu und behalte das falsche Grinsen auf den Lippen. »Allerdings kannst du dir das mit dem mitmachen noch mal überlegen«, fügt sie hinzu.

Ich bringe nur ein Nicken zustande.

»Los, Leute! Aufwärmen!«, feuert plötzlich jemand laut los und klatscht dabei in die Hände. Ich wirble herum, als die Leute wie ertappt loslaufen und entdecke eine Dame um die Vierzig mit hellbraunen Haaren, die in einem Zopf stecken. Mit festen Schritten schreitet die kleine, etwas stämmigere Frau durch die Halle – direkt auf mich zu.

Es kommt selten vor, dass mir jemand Angst macht, aber die Entschlossenheit, die in ihrem Blick steht, lässt mich hastig nach einem Fluchtweg suchen. Der liegt natürlich direkt hinter ihr. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den Löwen über mich herfallen zu lassen.

»Kenne ich dich?«, will sie wissen, baut sich dabei vor mir auf. Obwohl ich fast einen Kopf größer bin, fühle ich mich wie ein Kind, das von seiner Mutter beim Mist bauen erwischt worden ist.

»Ich habe Zoe herbegleitet«, erkläre ich und presse den Karton mit dem Kleid gegen meine Brust. »Sie hat gesagt, dass ich zuschauen darf.«

Einen Moment denkt die Frau nach, die eindeutig der Coach des Teams ist. Neben uns laufen die Cheerleader lang, die das Spektakel neugierig betrachten. Dabei fühle ich mich, als würde ich gerade eine Aufnahmeprüfung machen oder neu in eine Schulklasse kommen.

Einfach grauenvoll.

»Evelyn, richtg?«, fragt sie nun etwas netter, woraufhin meine Schultern erleichtert ein Stück nach unten sacken. Ich nicke und schenke der etwas grimmig dreinschauenden Frau ein schmales Lächeln. »Du warst in Mississippi?«

Zoe diese alte Petze.

»Ja, aber ich habe aufgehört«, sage ich und räuspere mich gleich darauf.

»Aufgehört?« Ihre Mundwinkel zucken. »Gut, ich bin Coach Kim. Schön, dass du zum Zuschauen hier bist. Allerdings solltest du wissen, dass ich ungern Zuschauer habe, also wenn du öfter kommen willst, musst du dir wohl Trainingssachen anziehen und mitmachen.«

»Heute ist nur eine Ausnahme«, antworte ich, was sie wieder kurz lächeln lässt.

»Natürlich. Wir wissen beide, dass du irgendwann mit auf der Matte stehst. Cheerleader ist Cheerleader«, murmelt sie und ich kann nicht sagen, ob es an mich geht oder sie mit sich selber spricht. Denn sie wendet mir bereits den Rücken zu und steuert die Mitte der Halle an.

Im Vorbeilaufen werfe ich Zoe einen bösen Blick zu. Hastig schaut sie weg und ich kann nicht anders, als im Kopf einen Schwall Flüche auf sie zu feuern. Mit schweren Schritten bewege ich mich zu der Bank, die an der Seite steht und lasse mich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch nieder. Den Karton stelle ich vorsichtig neben mich und verschränke ruhelos die Arme vor der Brust.

Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich bei einem Training nur zuschaue und es bricht mir jetzt schon das Herz.

Ich werde Zoe nie wieder begleiten können.

Und dieses Kleid muss ich ihr auch zurückgeben.

Oder ganz tief im Kleiderschrank vergraben.

 

 

»Also was genau ist das heute Abend für eine Party?«, frage ich Zoe, die vor ihrem großen Spiegel steht und sich ein blaues Crop Top anhält, ehe sie es im hohen Bogen auf den großen Berg Klamotten auf ihrem Bett schmeißt.

»Das ist die Semsterstartparty«, erklärt sie augenverdrehend, während ich mich gelangweilt auf dem Schreibtischstuhl drehe.

»Das weiß sogar ich«, murmelt Sophia und trägt gekonnt Lidschatten auf.

»Und wir müssen dahin, weil…?«, lasse ich die Frage im Raum hängen und werde daraufhin so abrupt gestoppt, dass ich beinah Bekanntschaft mit dem Boden mache. Auch wenn Zoe Teppich in ihrem Zimmer liegen hat, bin ich nicht scharf auf die Erfahrung und kralle mich überschwänglich an der nicht besonders stabilen Lehne fest.

»Weil es eine der besten Partys im Jahr ist und sie bei Paxton stattfindet. Feindliches Terraine betreten«, erklärt sie und lässt mich los. »Naja, und natürlich müssen wir dich in das Studentenleben hier integrieren. Du bist ja ein völliger Neuling.«

»Das Leben ist hier auch so anders.« Ich verdrehe die Augen und lehne mich ein Stück nach Hinten.

»Hey Miss Mississppi«, werde ich von Sophia angesprochen, »in San Diego ist einiges anders.«

»Ja, zum Beispiel habt ihr Footballer, die echte Idioten sind«, murmle ich und schüttle leicht den Kopf, als mir wieder dieser Paxton in den Kopf kommt.

»Hör auf Rumzumeckern und such dir endlich was zum Anziehen raus.«

»Genau, Eve. So wie früher«, stimmt Sophia zu und klappt den Lidschatten in ihrer Hand geräuschvoll zu.

»Solange ihr mich nicht so schminkt und ich andere Klamotten als früher tragen darf, könnten wir drüber verhandeln«, gestehe ich den Beiden zu und bekomme sogleich ein Kleidungsstück an den Kopf geworfen.

»Wenn du dich jetzt nicht endlich benimmst, versetzte ich dich zurück in die Siebziger«, ermahnt Zoe mich, wedelt dabei mit einem Lippenstift vor meiner Nase herum.

»Ich fände es einfach viel cooler mit euch zusammen einen schönen Abend zu verbringen und mich zu unterhalten. Ihr könntet mich auf den neusten Stand bringen.«

Ja, ich klinge wie eine alte Frau, die mit zwei anderen alten Frauen alleine an einem Freitag zuhause sitzen und reden möchte. Die Sache ist, dass es mir überhaupt nichts ausmacht und ich genug Gründe habe nicht auf Partys zu gehen. Generell finde ich es sinnvoller mich eigentlich komplett aus der Öffentlichkeit rauszuhalten, aber so ganz wird das leider nicht funktionieren.

»Ich gebe dir Bescheid, sobald ich so alt bin«, murmelt Zoe, und wirft ihre Haare ein Stück zurück, damit sie den feuerroten Lippenstift auftragen kann. Ich unterdrücke ein Seufzen und werfe einen Blick zu Sophia, die mich ein wenig mitleidig anschaut. Meine Lippen verziehen sich zu einem falschen Grinsen, das sie traurig erwidert.

So war es schon immer in dieser Runde. Sophia, die Stille, Zoe, die Partyqueen und ich, die mitgekommen ist, aber meistens gezogen werden musste.

 

 

Ich weiß, dass es diesmal eine blöde Idee war sich mitziehen zu lassen, als wir auf das Haus zugehen in dessen Vorgarten ein paar Leute mit Bierflaschen in der Hand stehen. Durch die halb offene Haustür drängt sich ein Bass, der durch die Straße hallt und das Licht scheint viel zu grell zu sein für diese Nacht. Wir drei haben nicht mal die Türschwelle überschritten, da wird Zoe schon von den ersten Leuten angesprochen. Ich beobachte wie sie die leicht Angetrunkenen mit einem netten Lächeln abweist und uns weiterführt.

Eigentlich habe ich keinen Grund nervös zu sein und doch verspüre ich den Drang die Hände in den Hosentaschen zu vergraben. Leider wurde ich von beiden zu einem Jeansrock genötigt und auch das weiße etwas weitere T-Shirt bietet keine Möglichkeit um Hände zu verstecken. Lediglich die Lederjacke hat zwei klitzekleine Taschen. Allerdings müsste ich meine Arme umständlich verbiegen, um überhaupt den kleinen Finger darin zu versenken. Es bleibt also nur die eine Option: Cool bleiben.

Wenn das nur so einfach wäre.

»Wollt ihr was trinken?«, fragt Zoe über die laute Musik, als wir durch einen schmalen Flur tapsen und ich gierige Blicke von dem ein oder anderen Typen spüre. Ich schlucke den Kloß im Hals herunter und versuche nicht so ängstlich auszusehen wie ich mich fühle. Zumindest hoffe ich, dass es nicht so offensichtlich ist. Ansonsten wäre ich heute – trotz Unterstützung der Cheerleader – ein gefundenes Fressen für eine Menge bösartiger Menschen.

Vielleicht wäre es gut, wenn ich wenigstens einen kleinen Drink nehme. Nur um etwas lockerer zu werden.

»Ja«, rufe ich zu Zoe, als wir in das Wohnzimmer treten.

Mitten im Raum stehen drei riesige Sofas auf dem Leute wie auf einer Hühnerstange sitzen, während ein paar andere mit Drinks in der Hand neben den Boxen tanzen. Die Terrassentüren stehen offen, lassen ein wenig Frischluft in den Raum, der nach einer Mischung aus Alkohol und Schweiß riecht.

Zoe biegt rechts um eine Ecke und wir landen vor einer Kücheninsel auf der eine große Glasschale mit Bowle steht. Daneben ein paar Flaschen, die nicht aussehen als hätte man sie gekauft. Eine kleine Gruppe von fünf Leuten steht daneben und lacht über irgendetwas was der große Kerl mit dunkelblondem Haar gesagt hat. Ich werfe ihm einen abschätzigen Blick zu.

So wie die drei Damen ihn anhimmeln, gehört er garantiert zu der Football-Fraktion.

»Bier oder Bowle? Die Bowle ballert allerdings ordentlich«, vernehme ich Zoe neben mir. Mein Blick schweift durch den Raum, scannt ihn nach bekannten Gesichtern.

»Bowle«, sage ich und stelle erleichtert fest, dass eine Vielzahl an Cheerleadern hier sind mit denen ich Zoe noch kurz nach dem Training gesprochen haben. »Du weißt doch, dass ich nicht so der Biertyp bin«, füge ich hinzu.

»Ich nehme auch eine Bowle.« Sophia streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht und wirft nervöse Blicke in den Raum. Unruhig verschränkt sie die Finger ineinander und am liebsten würde ich sie wie früher in den Arm nehmen und sagen, dass alles in Ordnung ist.

Bis zur High School ging das auf Partys ganz gut. Doch mit dem Wissen, dass wir in den heiligen Hallen der Idioten stehen, bin ich mir sicher, dass es keine fünf Sekunden dauern würde bis jemand neben uns steht und fragt ob wir einen Dreier schieben.

Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass Männer mit dem Alter primitiver werden.

»Hört auf so traurig dreinzublicken.« Zoe drückt Sophia und mir die Becher in die Hand und ermahnt uns mit einem scharfen Blick. »Es ist eine Party und wir sind jung!«

»Meine Worte, liebste Zoe.« Ein trainierter Arm legt sich um ihre Schulter. Einer der Typen, denen wir auf dem Weg zur Halle begegnet sind, schenkt ihr ein bittersüßes Lächeln. Ich betrachte die kurzgeschorenen blonden Haare und das dunkelblaue Jeanshemd, das eng um seine Brust spannt.

Wie war noch gleich sein Name?

Martin?

»Hallo, Miles.« Zoe erwidert sein Lächeln, macht jedoch keine Anstalten sich aus seinen Fängen zu befreien.

Miles.

Das war es.

»Wir müssen heute Abend dringend ein paar Dinge besprechen.«

»Müssen wir?«

»Oh ja, Kleines«, sagt er gedehnt und nickt langsam. »Zum Beispiel, dass ihr endlich die restlichen Flyer einsammelt und aufhört mit den Streichen.«

»Hast du mir nicht damals gesagt, dass das mit dem Aufhören nicht geht, weil‘s Tradition ist?« Sie klimpert einige Male mit den Wimpern und ich sehe wie Miles mit dem Kiefer mahlt. Ihm gefällt es ganz und gar nicht, dass er Kontra bekommt.

»Gut, dann wäre es vielleicht angebracht, wenn ihr uns endlich euren kleinen Joker präsentiert. Ihr wisst schließlich auch wer bei uns mit im Boot sitzt.«

Joker? Klingt ganz gut.

Meine Mundwinkel zucken und ich nehme einen Schluck von der Bowle um meine Belustigung zu verstecken. Doch kaum hat das Getränk meine Kehle erreicht, fängt es erbarmungslos an zu Brennen.

»Heilige Scheiße!«, fluche ich laut los schüttle den Kopf, was die umstehenden auf mich aufmerksam werden lässt. »Welcher unfähige Idiot fabriziert denn solche Bowlen?!«, beschwere ich mich und betrachte das rote Zeug im Becher, das ganz harmlos wirkt.

»Ich war das«, meldet sich eine Stimme zu Wort, die mich die Augen verdrehen lässt. Ich habe den Kerl ein einziges Mal getroffen und würde ihm schon jetzt am liebsten die Augen auskratzen.

»Scheint so, als würde deiner Zukünftigen deine super Bowle nicht so gefallen«, grinst Miles von der Seite, behält den Arm immer noch um Zoes Schultern. Ich will sie gerade etwas genauer in Augenschein nehmen, als sich der Typ vor mich schiebt.

»Ziemlich Schade. Ich wollte das eigentlich als unseren Hochzeitdrink servieren.«

Da steht er.

Ryan Paxton baut sich mit einem schiefen Grinsen direkt vor mir auf. Die schwarzen kurzen Haare sehen leicht durcheinander aus, seine blauen Augen wirken glasig und ich muss zu ihm aufschauen. Ich bin bestimmt einen Kopf kleiner als er und wünsche, ich hätte hohe Schuhe angezogen, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein. Das weiße T-Shirt spannt über seine Arme und ich kann aus dem Augenwinkel erkennen, dass seine dunkelblaue Jeans tief auf den Hüften sitzt. Die Genugtuung ihn genauer unter die Lupe zu nehmen, werde ich ihm nicht tun.

»Ein Glück, dass es nie zu einer Hochzeit kommen wird«, gebe ich gelangweilt zurück.

Hatte ich beim Betreten nicht Angst vor den Menschen gehabt, die sich auf einen stürzen sobald man Angst zeigt?

Ryan Paxton ist genau so ein Typ.

»Du sagst unsere Hochzeit ab noch bevor ich deinen Namen kenne? Wie unhöflich«, fordert er mich grinsend heraus.

»Gott, Paxton. Du bist manchmal wirklich peinlich«, stöhnt Miles hinter ihm.

»Halt die Klappe, Cooper. Ich flirte«, erwidert er ohne mich dabei aus den Augen zu lassen.

»Flirten? Mit deinem Spiegelbild in der Glasscheibe hinter mir?«, will ich kopfschüttelnd wissen, höre hinter ihm ein leises Lachen. Sein Grinsen verspannt sich und ich sehe, dass er mit sich selber kämpfen muss.

»Du bist eine ziemlich harte Nuss«, stellt er fest und beißt sich auf die Lippe. »Wenn du mir schon nicht deine Namen verraten willst, dann vielleicht warum wir uns noch nie begegnet sind?«

»Lass die Kleine in Ruhe«, mischt Zoe sich von hinten ein.

»Ich glaube nicht, dass sie deine Hilfe braucht. So wie ich das in Erinnerung habe, hat sie einen Mund aus dem ziemlich böse Dinge kommen können«, gibt er zurück ohne sich umzudrehen.

»Was denn? Habe ich dich so gekränkt?«, kann ich mir nicht verkneifen zu fragen.

»Du hast unsere Zukunftspläne zerstört. Natürlich kränkt mich sowas«, antwortet er und ich bin ein wenig überrascht von der Ehrlichkeit, die scheinbar in seinen belustigten Worten mitschwing. Vielleicht vertue ich mich auch nur. Nein, bestimmt vertue ich mich.

»Muss ich dich jetzt den ganzen Abend ertragen?«

»Vielleicht verschwinde ich, wenn du mir deinen Namen sagst und mir deine Nummer gibst.« Seine blauen Augen, die mich an das Meer erinnern, funkeln mich an.

So sehr der Typ mir auch auf den Keks geht.

Es gibt zwei Dinge, die ich eingestehen muss.

Er ist wirklich hartnäckig und er sieht gut aus.

Letzteres sollte ich allerdings unbedingt für mich behalten und ausblenden.

»Okay«, seufzt Ryan ehe ich antworten kann. »Eine Sache muss ich allerdings wissen: Gehörst du zu den Cheerleadern?«

»Sie ist meine beste Freundin. Natürlich gehört sie dazu«, kommt es prompt von Zoe bevor ich protestieren oder ihr sagen kann, dass das die falsche Antwort war. In seinen Augen blitz der Schalk auf und ich weiß, dass ich es gleich bereuen werde mitgekommen zu sein.

»Gut zu wissen.«

In dem Moment in dem er es ausspricht, spüre ich wie meine Kleidung von Hinten durchnässt wird. Zoe und eine Menge andere Cheerleader kreischen erschrocken auf, als die Footballer mit den Wasserpistolen auf uns schießen. Ich zucke zusammen, verbiete mir allerdings auch nur einen Ton von mir zu geben, während lautes Gelächter ausbricht.

Ich ertrage es und sehe dabei das siegessichere Grinsen auf dem Gesicht von Ryan Paxton vor mir.

»Draußen ist es schweinekalt«, presse ich hervor und unterdrücke die aufkommende Wut, während mein T-Shirt an meiner Haut klebt.

»Keine Angst«, winkt er lässig ab, »wir haben Wechselklamotten für euch.«

»Paxton, das ist absolut mies«, feuert sogar Sophia neben mir los, doch er ignoriert sie.

»Allerdings müsst ihr euch die Kleidung erspielen.«

Weiter zu Kapitel 4. Evelyn

error: Content is protected !!