44. Evelyn

Mein Kopf tut weh und jeder Muskel meines Körpers schmerzt. Meine Augen sind geschlossen und von irgendwo dringen unbekannte Geräusche zu mir durch, die einen seltsamen Takt haben. Meine Kehle ist staubtrocken und ich gebe ein leises Stöhnen von mir, als ich meinen Kopf bewege, um ihn von der Lärmquelle zu entfernen, die dicht bei mir zu sein scheint. Grelles Licht bahnt sich den Weg durch meine geschlossenen Lider, versetzt mir einen Schlag auf den Kopf.

»Aua«, murmle ich, als ich die Augen aufschlage. Die Umgebung dreht sich und ich erkenne weiße Wände, komische Geräte und ein Bett, das garantiert nicht meins ist. Es riecht nach Desinfektionsmittel und auf dem Tisch neben mir steht eine Nierenschale und Wasser.

Ich bin in einem Krankenhaus.

Aber wie zum Teufel bin ich hergekommen? Und warum?

Ich versuche, mich zu erinnern, doch anstatt von bekannten Bildern, finde ich ein schwarzes Nichts vor. Ich schließe die Augen und versuche es ein weiteres Mal – ohne Erfolg.

»Dem Himmel sei Dank, du bist wach!« Die Stimme meiner Mutter schallt durch den raum und klingt, als würde sie mir ein Megafon an die Ohren halten, was dazu führt, das ein schmerzhaftes Stechen durch meinen Schädel jagt. Ich komme nicht dazu, etwas zu sagen, da hat sie bereits ihre Arme um mich geschlungen. Erneut durchflutet meinen Körper eine Schmerzenswelle, die erst nachlässt, als sie mich loslässt.

»Wie geht es dir? Soll ich einen Arzt rufen?«, fragt sie viel zu laut und nah an meinem Ohr.

»Kopfschmerzen«, presse ich hervor und fasse mir an die Schläfen in der Hoffnung, dass eine Massage diese lindern könnte.

»Hier, der Arzt hat gesagt, dass du die schlucken sollst, wenn du wach wirst«, sagt sie nun etwas leiser, reicht mir Wasser und Tabletten, die ich schlucke.

»Leg dich hin und ruh dich noch etwas aus«, flüstert Mum, als ich langsam zurücksinke und die Augen schließe.

Schwärze überfällt mich erneut und zieht mich weg von dem pochenden Kopf. Dankbar lasse ich es geschehen. Ich weiß nicht ob Stunden oder Minuten vergehen, ehe ich das zweite Mal die Augen aufschlage. Das laute Pochen, hat sich zu einem leisen Klopfen entwickelt und das Licht wirkt nicht mehr ganz zu grell. Dennoch blinzle ich einige Male, bis ich die Umgebung erkenne und das Gesicht, das neben mir am Bett sitzt.

»Hey«, flüstert Ryan. Meine Augen wandern über die Ringe unter seinen Augen, die weiße Haut und den verspannten Gesichtsausdruck. Das Haar steht in alle Richtungen ab und ein Bartschatten liegt auf seinen Wangen. Die Schultern von ihm hängen herunter und er hat die Hände im Schoß verschränkt.

»Du siehst beschissen aus«, krächze ich mit einer Stimme, die nicht nach mir klingt. Zu meiner Erleichterung zucken seine Mundwinkel.

»Kann ich nur zurückgeben«, spielt Ryan mit und nimmt mir ein wenig die Panik. »Wie geht’s dir?«, will er wissen und klingt dabei unendlich müde.

»Ich behaupte mal, dass ich so aussehe wie ich mich fühle«, stöhne ich und setzte mich langsam ein Stück auf, was dafür sorgt, dass die Welt einige Sekunden ins Wanken gerät. Sofort ist Ryan da und seine Hand landet auf meinen Rücken.

»Nicht so schnell«, murmelt er dicht an meinem Ohr, was meinen nicht vorhandenen Puls etwas in die Höhe treibt.

»Was ist passiert?«, spreche ich die Frage aus, die bitter auf meiner Zunge liegt.

»K.O Tropfen.« Die Welt beruhigt sich langsam und er fährt mit seiner anderen Hand über meine Wange. »Eine ziemlich hohe Dosis, die hätte tödlich sein können.«

Tödlich?

Ich schlucke schwer, spüre eine vertraute Panik aufkommen.

»Erinnerst du dich an irgendetwas an diesem Abend, Eve?«, fragt Ryan und behält mich dabei fest im Auge. Seine Hand liegt behutsam auf meiner Wange, doch ich verschwende keinen Gedanken daran, dass jemand uns so sehen könnte.

»Ich habe mich zu Zoe gesetzt«, versuche ich, Bruchstücke zusammenzusetzen, die vor meinen Augen aufblitzen. »Wir haben Cocktails und Shots getrunken und dann…« Ich stocke, grabe tiefer, doch da ist nichts, was ich finden könnte.

»Weißt du noch, dass ich mich zu dir gesetzt habe? Dass Asher und Sophia sich gestritten haben? Wie du nach draußen gelaufen bist und mir einen Zettel gegeben hast?«

»Einen Zettel?«, wiederhole ich langsam und versuche bei den Sachen, die er mir sagt etwas zu finden, das vertraut erscheint. Doch da ist nichts. Verunsichert starre ich Ryan an, der beruhigend Kreise auf meinen Hals zeichnet, wie er es schon mal nach unserem Kuss getan hat.

Verdammt.

Daran erinnere ich mich ganz genau.

»Du hast mir das gegeben«, sagt Ryan und zieht einen Zettel aus der Tasche. Er ist zerknüllt und ich bin mir sicher, dass ich ihn nie zuvor gesehen habe. Dennoch weiß ich, dass der Inhalt nichts Gutes sein kann, als ich ihn auseinanderfalte.

Wenn du in Armen liegst, dann in meinen.

Mehr steht dort nicht, doch es reicht, um mir die Luft abzuschnüren.

»Er kommt näher«, presse ich zwischen den Zähnen hervor, ehe die ersten Tränen sich den Weg aus meinen Augen bahnen. »Er kommt immer näher«, wiederhole ich atemlos, als Ryan mich in seine Arme zieht.

Die Panikattacke überfährt mich wie ein Güterzug.



Über eine Stunde dauert es bis ich mich beruhige. Gran, Mum und Amy sind natürlich nur kurz nach Beginn der Panikattacke dazugestoßen und sind ebenfalls mit den Nerven am Ende. Der Einzige, der die Situation unter Kontrolle zu haben scheint, ist Ryan. Er bleib ruhig, spricht mit sanfter Stimme und sagt mir, wie ich atmen soll. Mum hat in der Zeit verhindert, dass ich irgendwelche Tabletten oder Beruhigungsmittel bekomme, weil sie panische Angst hat, dass ich noch andere Drogen eingeflößt bekommen habe, die reagieren könnten. Gran sitzt neben mir und streicht mir über den Rücken, während Amy die Wasserflasche und die Nierenschale hält, in die ich dreimal kotze.

Es gibt nichts Schöneres, als das vor so vielen Menschen zu vollführen.

Und die Kirsche auf dem Ganzen ist mein Schwarm, der das alles mit ansieht.

Gibt es einen größeren Abturner?

Nachdem ich wieder atmen kann und nicht mehr hyperventiliere, organisiert Mum etwas zu essen von dem ich jedoch keinen Happen herunter bekomme. In meinem Kopf kreist nur noch der Gedanke, dass der Stalker mir bisher nie etwas angetan hat – bis jetzt. Er ändert sein Verhalten und ich habe das Gefühl, dass das nicht gut ist. Zusätzlich scheint er mich im Wagen mit Ryan gesehen zu haben, weswegen Unbehagen durch meinen Körper schießt in jedem Moment, in dem ich ihn ansehe. Was, wenn er jetzt auch in die Schusslinie gerät? Das war doch das, was ich verhindern wollte.

Ein weiterer Vorteil, wenn die eigene Mutter Krankenschwester ist, ist dass sie weiß, was wie läuft. Ich muss nicht lange warten, bis der Arzt vorbeischaut, der mir mitteilt, dass ich Glück gehabt habe und mir erklären will, dass ich auf mein Getränk aufpassen muss. Doch bevor er damit anfangen kann, springt Ryan dazwischen und schmeißt ihn zusammen mit Gran und Mum raus. Ich habe meine persönliche Leibgarde, die seit Stunden nicht von meiner Seite weicht. Sie lassen keinen zu mir und ich werde gehütet wie ein Augapfel. Mum besorgt mir die richtigen Medikamente und sorgt dafür, dass ich bereits am Nachmittag gehen darf.

Ich bin gerade dabei mit Hilfe von Ryan in meine Jacke zu schlüpfen, als es an der Zimmertür klopft. Noch bevor ich reagieren kann, geht die Tür auf und ein stämmiger Mann mit wachsamen Blick tritt ein. Ich habe ihn noch nicht besonders oft zu Gesicht bekommen, aber regelmäßig mit ihm telefoniert und jede SMS weitergeleitet, die ich bekommen habe.

»Guten Tag, Ms. Jones«, begrüßt der Mann mich und nickt in die Runde.

»Guten Tag, Detective Clark«, erwidere ich und mache zwei wackelige Schritte auf den Mann zu, um ihn die Hand zu schütteln.

»Wie ich sehe sind Sie bereits in Aufbruchsstimmung?« Bei seiner Frage gleiten seine Augen über die Anwesenden, wobei sie etwas länger auf Ryan verharren. Der Detective kennt ihn noch nicht und ich habe eine grobe Befürchtung, was er mir später sagen wird.

»Ja, ich habe lang genug hier gelegen«, erwidere ich und zwinge ihn mir ins Gesicht zu schauen.

»Ich würde mich gerne noch mit Ihnen unterhalten, ehe Sie gehen. Noch sind die Erinnerungen frisch, auch wenn es bestimmt nur sehr wenige sind, nach der Dosis die Sie erhalten haben.«

»Okay«, stimme ich zu, woraufhin der Mann sich an den kleinen Tisch setzt, der in dem Zimmer steht. Ich brauche nicht fragen, wer ihm das alles mitgeteilt hat. Mum schaut nämlich leicht ertappt weg.

»Wenn es recht ist, würde ich gerne unter vier Augen mit Ihnen sprechen.« Seine Augenbrauen wandern hoch und ich bemerke eine seltsame Anspannung im Raum. Normalerweise habe ich diese Gespräche immer mit allen zusammen geführt. Bis auf die Male in denen ich noch in Mississippi war. »Ich nehme an, es wird nicht lange dauern«, fügt er hinzu, als keiner sich bewegt.

»Geht schon mal vor, ich komme gleich nach«, sage ich schließlich, woraufhin ich einen skeptischen Blick meiner Mutter ernte.

»Wir warten vor der Tür«, brummt Gran im Vorbeigehen. Ryan ist der Letzte, der das Zimmer verlässt. Bevor er die Tür schließt, treffen unsere Blicke sich. Er schenkt mir ein aufmunterndes Lächeln, dann geht er und ich bleibe alleine mit dem Mann zurück, der bereits am Tisch auf mich wartet.

»Ihre Familie passt besser auf Sie auf, als jeder Polizist, den ich Ihnen an die Seite stellen könnte«, brummt der Mann mit einem Lächeln und legt ein Notizheft auf den Tisch. Stolz schwillt in meiner Brust bei seinen Worten und ich fühle mich schlagartig größer und besser als vor seinem Satz. »Wer ist denn der junge Mann gewesen?«

»Ein Freund«, erkläre ich und ziehe den Stuhl ihm gegenüber etwas zurück, um mich setzten zu können.

»Ein Freund oder ihr Freund?«

»Ich habe bewusst ein Freund gesagt, Detective Clark«, kommt es schärfer als beabsichtigt über meine Lippen, was vielleicht auch damit zutun haben könnte, dass ich die andere Bezeichnung als eine Option in der Zukunft betrachte. Auch, wenn es unfair gegenüber ihm ist, weil ich genug Ballast mit mir herumschleppe. Eigentlich warte ich nur auf den Tag, an dem er kopfschüttelnd verschwindet, weil es ihm zu viel wird. Zum Glück scheint er in nächster Zeit nicht daran zu denken, anders kann ich mir den Kuss nämlich nicht erklären.

»Sie wissen, dass die Stalker meist im nächsten Umfeld zu der Person ist, die sie verfolgen?«

Ja, das war eine der ersten Sachen, die man mir gesagt hatte.

»Ich kenne Ryan erst seit ein paar Monaten«, will ich seine Theorie, die er mir um die Ohren hauen will, vernichten.

»Sind Sie sich sicher? Sie könnten sich bereits auf einer Party oder…«

»Nein«, unterbreche ich ihn. »Ryan ist derjenige, der jedes Mal für mich da war, wenn etwas passiert ist.«

»Genau das meine ich«, erwidert Detective Clark entspannt, obwohl seine Miene nicht mehr so ruhig aussieht wie zu Beginn der Unterhaltung. »Er spielt jedes Mal den Helden, wenn Ihnen etwas passiert. Eine einfache, aber effektive Methode um an das Opfer zu gelangen.«

»Überprüfen Sie ihn, wenn Sie mir nicht glauben wollen. Ryan hat bis vor ein paar Monaten gar nichts von meiner Existenz gewusst, geschweige denn von dem Stalker.«

»Aber später haben Sie ihn eingeweiht?«

»Nachdem ich die ersten Nachrichten erhalten habe«, erwidere ich mit Nachdruck und presse die Zähne aufeinander. Mir missfällt der Gedanke, dass jemand Ryan unter Verdacht stellt. Bei jedem anderen hatte ich es irgendwie akzeptiert, doch nicht bei ihm.

»Ich werde ihn trotzdem überprüfen.«

»Ich wünsche gutes Gelingen.« Ich bin trotzig, klinge wie ein Kleinkind, das sich gegen seine Mutter wehrt. Vielleicht sind das die Nachwirkungen der K.O Tropfen, aber letztendlich ist es mir egal.

Der Detective mustert mich einen langen Moment, stößt dann einen leisen Seufzer aus.

»Haben Sie ansonsten noch Namen oder Verdächtige, die in Frage kämen?«

Ich denke daran, wie ich in meinem Zimmer saß mit den Zetteln und Gegenständen, die ich erhalten hatte. Alle Sachen, die nicht mehr bei der Polizei lagen und sich wieder in meiner Obhut befanden. Wie ich darüber nachdachte, Momente immer wieder durchlebte – ohne Erfolg.

»Nein, keinen einzigen«, wiederhole ich meine Aussage wie fast jedes Mal. Nur zu Beginn hatte ich Namen nennen können.

»Was ist das Letzte an das Sie sich erinnern können? Unterhaltungen? Menschen? Gerüche?« Seine Stimme ist rau und beruhigend, lässt den aufkommenden Sturm in meinem Kopf langsam abklingen.

»Ich weiß nur noch, dass ich mich zu Zoe gesetzt habe und wir Cocktails getrunken haben. Irgendwann standen Shots auf dem Tisch und wurden rumgereicht, aber ich weiß nicht, wer die geholt hat.«

»Könnte Zoe mehr gesehen haben?«

»Eventuell, aber ich möchte nicht, dass Sie sie danach fragen.« Meine Worte lassen den Mann innehalten.

»Ms. Jones, ich weiß, dass es schwer für Sie ist und Sie dieses Problem nicht publik machen wollen, doch wir haben es jetzt nicht länger mit jemandem zu tun, der Rosen und Briefe verschickt. Das ist gefährliche Körperverletzung. Damit ist nicht zu spaßen.«

Er hat recht. Ich weiß es und das macht das nur noch schwerer für mich. Ich verschränke die Finger im Schoß, senke den Blick und betrachte die zerkratze Tischplatte, die ihre besten Zeiten schon längst hinter sich hat. Er beobachtet mich, lässt mich zu meiner Erleichterung doch meinen Gedanken nachhängen und diesen inneren Konflikt mit mir austragen.

Jedoch ist dort kein Konflikt.

Es ist einfach eine Tatsache, dass sich das Gefahrenpotenzial wesentlich erhöht hat.

»Der junge Mann, der im Raum war, war ebenfalls anwesend. Sein Name ist Ryan Paxton. Außerdem einer seiner Mitbewohner. Wir saßen alle nebeneinander. Miles Cooper.«

»Und Zoe?«

»Zoe Wilson. Sie ist seit ich denken kann, eine meiner besten Freundinnen.«

»Gut«, murmelt er und der Stift kratzt auf dem Papier, als er sich die Namen notiert.

»Ich möchte erst mit ihnen sprechen, damit sie nicht überfallen werden.« Ich hebe den Kopf, sehe in das nachdenkliche Gesicht.

»Dann lassen Sie sich damit bitte nicht zu viel Zeit. Ich bin nicht daran interessiert, sie ein weiteres Mal im Krankenhaus zu besuchen.«



Ich fühle mich ausgelaugt, als ich mich Zuhause auf das Sofa fallen lasse. Gran stürzt sich sofort übereifrig in die Küche, um etwas für mich zu kochen, von dem ich nichts runtergekommen werde und Amy setzt sich neben mich. Mum stellt die kleine Tasche mit meinen Klamotten und den Medikamenten auf den Tisch, während ihre Augen schon wieder an mir kleben.

Das tun sie bereits, seit ich wach geworden bin und ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass es Streit geben wird. Es hat keinen Sinn, es herauszuzögern. Obwohl ich mich schwach fühle, weiß ich, dass ich das jetzt hinter mich bringen muss.

»Was ist los, Mum?«, durchbreche ich die Stille, die nur durch Grans klirrende Töpfe und Pfannen gestört wird.

»Ich möchte, dass du Zuhause bleibst, bis das geklärt ist«, schießt es schneller aus ihr heraus, als ich gedacht hatte. Sie muss schon den ganzen Tag darüber nachgedacht haben und hat nur darauf gewartet es loszuwerden.

»Ich werde weiter zur Uni gehen«, sage ich bestimmend und halte dem festen Blick stand, mit dem sie mich beäugt.

»Du wurdest angegriffen.«

»Und ich habe es überlebt«, füge ich geduldig hinzu.

Einen Nachteil hat es, ohne Vater aufzuwachsen. Der Elternteil, der noch da ist, wird paranoid, sobald eine Kleinigkeit mit einem geschieht.

»Wir werden nicht darüber diskutieren«, kommt es nun scharf über ihre Lippen.

»Doch, das werden wir. Ich bin Einundzwanzig und nicht mehr Zwölf«, halte ich dagegen.

»Du schwebst in Lebensgefahr.«

»Mir hat nur jemand K.O Tropfen verabreicht«, versuche ich, es herunterzuspielen, obwohl meine Nackenhaare sich bei der verharmlosten Aussage aufstellen.

»Nur?«, mischt sich nun auch Gran aus der Küche ein. »Ich stehe selten auf der Seite deiner Mutter, Eve, aber nur ist die falsche Bezeichnung.«

Super, jetzt habe ich zwei Tyrannen gegen mich.

»Du wirst hier bleiben.«

»Damit sie so verrückt wird wie ihr beide? Das halte ich für keine gute Idee«, kommt Amy mir zur Rettung und dafür könnte ich sie abknutschen.

»Du hältst dich daraus, Fräulein!«, knurrt meine Mutter und deutet mit dem Finger mahnend auf meine Schwester.

»Das Schlimmste, das ich machen kann, ist dem Typen das zu geben, was er will!«, gehe ich dazwischen, als Amy bereits den Mund öffnet. »Was glaubt ihr wie lange es dauert, bis er in das Haus spaziert, wenn ich mich nicht mehr draußen blicken lasse? Dann sitze ich hier alleine und warte darauf, dass er mich abholen kommt?«

»Außerdem fördert es seine Macht und es kann sein, dass er zu schlimmern Mitteln greift«, spult Amy runter, als würde sie einen Wikipedia Eintrag vorlesen, was dafür sorgt, dass wir uns alle zu ihr drehen. »Was denn?«, will sie wissen und zuckt mit den Schultern. »Ich habe halt ein wenig gegoogelt.«

Unglücklich verzieht meine Mutter das Gesicht, verschränkt die Arme vor der Brust. Ich kann nicht sauer auf sie sein nur, weil sie sich sorgt. Wäre es andersherum, würde ich beinah durchdrehen.

»Was hältst du davon, wenn ich dir verspreche, dass ich nicht alleine herumlaufe und immer jemand bei mir ist, der Bescheid weiß?«, schlage ich sanfter vor.

»Und wer begleitet dich auf die Damentoilette?«

»Mum«, sage ich mahnend. »Überlass das mir. Ich finde schon wen.«

Immerhin werde ich sowieso mit Zoe sprechen müssen. Sie wird wohl nichts dagegen haben, ein Auge auf mich zu haben, wenn Ryan es nicht hat.

»Versprich’s mir«, fordert sie mich Zweifel in den Augen.

»Versprochen«, wiederhole ich mit Nachdruck. Ich kann das Glitzern in ihren Augen erkennen, doch sie blinzelt sie aufsteigenden Tränen hastig weh und dreht mir den Rücken zu. Schmerz zieht durch meine Adern bei diesem Anblick und ich schlucke schwer unter Amys Blick.

Im selben Moment klingelt mein Handy. Diesmal bin ich nicht verängstig oder verunsichert. Nein, ich bin verflucht wütend auf den Mistkerl und jetzt jagt seine Nachricht mir keine Angst ein. Nur verfluchten Trotz.


Ich hoffe, es war dir eine Lehre.

Für dich gibt es nur mich.



Darf ich sagen, dass ich es liebe euch raten zu sehen? Das ist eins der schönsten Dinge an diesem Buch 😀 Ich werde euch bald den Termin für die Lesenacht nennen, also lest immer schön die unteren Absätze und vielleicht auch auf meiner Pinnwand (oder wie man das hier nenn :D) Bleibt gesund bis Donnerstag und rutscht bei den kalten Temperaturen nicht aus!

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