8. Ryan

Zwei Stunden habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, was mit Antwort gemeint war. Jetzt halte ich mein Trikot mit der Nummer Sechszehn in der Hand und starre auf das Wort, das anstelle der Sponsoren auf den oberen Teil des Rückens gedruckt ist: Einhornpups.

Wie dumm bin ich manchmal eigentlich? Gut, ich könnte es auf den Alkohol schieben, dass ich nicht gerafft habe, dass Evelyn Jones der Joker ist. In dem Moment in dem sie sich ausgezogen hat um das Geheimnis zu behalten, hätte es Klick machen müssen. Denn wer verlässt – wenn auch betrunken – halbnackt eine Party? Und das nur, um irgendeinen Namen nicht preiszugeben.

Ja, ich habe Evelyn Jones unterschätzt. Wahrscheinlich hätten wir keinen fataleren Fehler begehen können, als sie auf der Website abzubilden. Auch die Tatsache, dass ihre Rückansicht ein fantastisches Hintergrundbild abgibt, wird sie nicht beruhigen. Das Ende von dieser miesen Geschichte halte ich gerade in der Hand und es beschleicht mich das ungute Gefühl, dass das nicht alles war.

»Verdammt«, flucht Dean neben mir und hält sein Trikot hoch. »Dirty Dancing Ikone

Mit hochgezogenen Augenbrauen werfe ich einen Blick auf die dicken Buchstaben und kann nicht verhindern, dass meine Mundwinkel zucken. Dean versucht Frauen immer mal wieder mit seinem Tanztalent zu beeindrucken. Scheinbar haben unsere lieben Cheerleader sich Gedanken über jeden einzelnen von uns gemacht. Ich kann mich zwar nicht sonderlich gut mit Einhorn Fäkalien assozieren, aber vielleicht finde ich noch raus, wie sie darauf gekommen sind. So sehr ich Evelyn Jones in dieser Sekunde auch verfluche, so sehr muss ich ihr für die Namen und die Idee – die eindeutig eine gigantische Blamage für uns ist – Respekt zollen. Eine von den anderen wäre niemals darauf gekommen.

»Warum beschwerst du dich eigentlich?«, meldet Alex sich von der anderen Seite der Kabine zu Wort und hält sein Oberteil in die Luft, das beinah die Ausmaße eines Zeltes hat. Immerhin ist er einer der größten und stärksten Spieler unserer Mannschaft. Doch als ich das Wort lese, dass bei ihm steht, kann ich ein Lachen nicht unterdrücken.

»Das ist nicht witzig«, knurrt der Linebacker und rümpft die Nase. »Warum musste es Lauch sein? Ich hätte auch eine Kartoffel sein können.«

»Damit ich als Spargel alleine antreten muss?«, mischt John Lewis sich ein, der ebenfalls Linebacker ist. »Vergiss es. Wenn wir Gemüse sind, dann gleich dürr.«

»Was hast du auf deinem Rücken stehen, Paxton?«, will Miles von der anderen Seite des Raumes wissen.

»Einhornpups. Du?«, gebe ich zurück und bin jetzt derjenige der ausgelacht wird.

»Evolutionsbremse, aber mit dir möchte ich in diesem Fall nicht tauschen.« Ein breites Grinsen liegt auf seinen Lippen und so sehr ich mich auch ärgere das nicht erkannt zu haben, so lustig sind die Begriffe, die jetzt in den Raum geworfen werden.

»Und? Wer holt jetzt die Ersatztrikots?«, will Alex leicht genervt wissen.

Ich sage nichts, starre auf das Stück Stoff in meiner Hand. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Ersatztrikots finden, geht meiner Meinung nach gegen Null. Diesen Aufwand wird Jones nicht betrieben haben, nur damit wir uns in der Kabine schlapplachen. Nein, wir werden keine andere Möglichkeit haben, als mit diesen Shirts anzutreten. Und das ausgerechnet gegen das Team von dem ich Blumen für meine nette Haarfarbe bekommen habe.

»Irgendwer muss den Coach holen. So können wir nicht spielen.« Miles schüttelt den Kopf und lässt sich auf die Bank nieder. »Hast du das kommen sehen?«, fragt er mit einem kleinen Nicken zu mir.

Langsam schüttle ich den Kopf. »Nein, damit habe ich wirklich nicht gerechnet«, gebe ich zu und setzte mich ebenfalls. »Aber immerhin weiß ich jetzt, wer der Joker der Cheerleader ist.«

Meine Aussage führt dazu, dass es schlagartig ruhig ist in der Kabine. Nur das Rascheln einzelner Taschen und das Knarren von den Holzbänken auf die sich manche setzten, ist zu vernehmen.

»Wer?«, knurrt John bedrohlich und ich weiß jetzt schon, dass mir sein Gegenspieler heute leid tun wird. Ein zorniger Linebacker ist schlimm genug. Heute haben wir gleich zwei davon und zusätzlich werden sie noch ausgelacht werden. Das wird für eine explosionsartige Mischung sorgen. Nur hoffe ich, dass es nicht eskaliert.

»Evelyn Jones«, kommt es gedehnt über meine Lippen, während ich erneut auf den Schriftzug blicke.

»Die Kleine?«, brummt Alex sofort verwirrt.

»Ja, die Kleine, die keiner von uns wirklich aufm Schirm hatte. Wahrscheinlich wäre das hier auch nicht so brutal, wenn wir sie nicht auf die Website gestellt hätten«, seufze ich.

»Oder wenn du sie nicht so hemmungslos angegraben hättest«, wirft Dean von der Seite ein.

»Hat vielleicht seinen Teil dazu beigetragen«, gestehe ich und beiße mir auf die Lippe. Hätte ich gewusst, dass sie für alles verantwortlich ist, wäre ich ihr ganz anders gegenübergetreten. Viel charmanter. Vielleicht hätte ich sogar versucht ein Gentleman zu sein. Auch wenn das wirklich nicht so meine Art ist.

»Und jetzt?« Miles reißt ein wenig ahnungslos die Arme in die Luft, als würde er eine Offenbarung erwarten. Die würde ihm heute nur garantiert nicht begegnen.

»Jetzt spielen wir in den Trikots«, erwidere ich, was ein Stöhnen der gesamten Mannschaft auslöst. Manchmal frage ich mich mit was für Weicheiern ich eigentlich im Team bin.

 

 

»Was zum Teufel tragt ihr da für einen Mist?!«, pfeffert der Coach los und zieht Miles an seinem Helm zu sich, nur um mit dem Klemmbrett auf seine Brust zu klopfen. Unser Quarterback taumelt leicht gegen Coach Mayer, dessen Gesichtszüge heute noch grantiger wirken als sonst. »Habe ich irgendwas verpasst?! Zieht eure verdammten Trikots an, ihr Deppen«, knurrt er ohne eine Erklärung abzuwarten.

Jetzt kommt wohl der Part, an dem ich offenbaren muss was alles schiefgelaufen ist.

»Wir haben keine Ersatztrikots. Dean und Alex haben bereits überall nachgeschaut.«

»Was meinst du damit, Paxton?«, knurrt der Coach und stiert mich an.

»Ich meine, dass unsere gesamten Trikots verschwunden sind. Wir haben nur noch die hier.« Mit der Hand deute ich auf mein eigenes Shirt und zucke etwas hilflos mit den Schultern. Der große Kerl, der immer noch Miles festhält, schaut langsam in die Runde und scheint zu bemerken, dass das kein dummer Scherz von uns ist.

»Cheerleader?« Die Frage, die er in den Raum wirft ist leise und klingt bedrohlich. Ich sollte jetzt heftig nickend zustimmen und ihm erzählen, wie unfair diese Sache ist, aber irgendetwas in meinem Bauch sagt mir, dass das nichts bringen würde. Der Coach wäre nur wütend und könnte sich nicht mehr aufs Spiel konzentrieren und auch wenn es nur eins zum Spaß ist, will jeder in diesem Raum gewinnen.

»Klären wir das nach dem Spiel?«, schlage ich vor und hoffe, dass die pulsierende Ader am Hals vom Coach das alles übersteht. Er schaut mit zusammengekniffenen Augen jeden Einzelnen an und scheint abzuwägen, ob ein Wutausbruch jetzt angebracht ist.

»Bewegt eure dicken Ärsche hier raus. Ich hoffe, ihr habt nachher eine gute Erklärung bereit und für jeden Mist, den ihr gleich auf dem Feld baut, lasse ich euch eine Stunde mehr Krafttraining machen.« Mit einem kleinen Schubser entlässt er Miles aus seinen Fängen und ich kann nicht anders als erleichtert auszuatmen. Ich schnappe mir meinen Helm und bemerke das Kopfschütteln einiger Teamkameraden. Ihnen wäre es bestimmt lieber gewesen in normalen Trikots aufzulaufen, aber alle haben bei der Foto-Aktion mitgemacht, also werden auch alle das hier aushalten.

Verpfeifen werde ich Evelyn Jones nicht. Das ist eine Sache, die ich mit ihr persönlich ausdiskutieren werde und diesmal werde ich nicht freundlich sein. Nein, meinen Gegnern schmiere ich kein Honig ums Maul.

»Hältst du es für eine gute Idee so aufs Spielfeld zu gehen?«, meldet Miles sich von der Seite, als wir mit den andern zusammen durch den schmalen Gang laufen und das Klacken der Stollen sich mit dem Getuschel mischt.

»Wir werden eine Lachnummer sein, sobald die Ersten es bemerken.«

»Dafür werden sie sorgen?« Miles stellt es wie eine Frage, doch wir beide kennen die unausgesprochene Antwort darauf. Ein Brummen dringt aus seiner Kehle, während ich den Drang einen Seufzer auszustoßen unterdrücke. Ich werde Evelyn Jones nicht vor dem Spiel meinen Kopf und meine Einstellung beherrschen lassen und schon gar nicht, lasse ich mich von einem dämlichen Wort einschüchtern.

»Lass uns den Säcken in den Arsch treten«, sage ich zuversichtlich und werfe unserem Quarterback einen entschlossenen Blick zu.

»Und dabei denken wir an den Haufen Cheerlader, die es eigentlich verdient haben.« Meine Mundwinkel zucken, während wir weitergehen.

»Bin dabei«, stimme ich zu.

Und danach knöpfe ich mir Evelyn Jones persönlich vor.

Wir halten an und ich höre das bekannte Getuschel der Zuschauer, kann mir gut vorstellen wie einige noch schnell etwas zu trinken oder einen Hot Dog holen. Ich liebe es zu wissen, dass über uns die Tribünen sind. Doch wenn wir hier stehen, schalte ich ein letztes Mal ab. Es fühlt sich an, als würden wir durch eine Schleuse gehen in eine andere Welt. Eine, in der wir im Vordergrund stehen. Ich kreise die Schultern, höre den Stadionsprecher und verdränge dieses dämliche Shirt, das ich trage. Langsam beschleunigt mein Puls sich und meine Muskeln spannen sich an. Ich schaue zu Miles der mir zunickt und genauso bereit ist einzulaufen wie ich.

Mein Kopf ist leer.

Es geht nur um das Spiel.

»….hier sind unsere Aztecs!«, schallt es leicht gedämpft zu uns durch.

Ich bin bereit.

Bis zu dem Moment, in dem sich überraschte Aufschreie aus dem Publikum mit Grunzen mischt.

Grunzen.

Von der Seite wirft Miles mir einen panischen Blick zu, wir treten nach vorne um einen besseren Blick auf das Spielfeld erhaschen zu können und mein Mund klappt ein Stück auf.

Schweine.

Auf dem gesamten Spielfeld. Dicke Viecher, deren Speck bei jedem Hüpfer umherwackelt. Davon gibt es nicht nur ein paar, sondern verflucht viele und jedes Tier hat eine Nummer auf dem Rücken stehen. Ich brauche nicht lange nachzudenken, um zu begreifen, dass es sich um unsere Trikotnummern handelt. Dann sind die Namen auf unseren Shirts nicht die eigentliche Rache gewesen. Sie waren nur dazu da, um uns in Sicherheit zu wiegen.

Ein paar Leute hechten bereits auf das Spielfeld und versuchen die Tiere einzufangen, während das Publikum in schallendem Gelächter ausbricht. Verdattert beobachtete ich die umherrennenden Tiere und balle meine Hände zu Fäusten.

»Sag mir, dass das hier gerade nicht passiert«, knurrt Miles neben mir und ich kann den Zorn, der in seiner Stimme mitschwingt sehr gut verstehen. Wenn wir Glück haben müssen wir für das Chaos nur eine geringe Strafe zahlen – in Form von Scheinen und Schweiß. Nie im Leben werden wir ungeschoren davonkommen und wenn ich daran denke, dass wir zusätzlich in diesen Trikots auflaufen, will ich Jones den Kopf abreißen.

»Verflucht, was ist denn heute los! Geht zurück in die Kabine!« Coach Mayer stürmt an mir vorbei und wedelt aufgebracht mit den Armen herum, während er zu der Trainerin der Cheerleadern läuft. In der Sekunde in der sie sich umdreht, ist eine erbarmungslose Diskussion eröffnet. Meine Augen finden Zoe, die mit einem breiten und sehr glücklichen Lächeln in das Publikum lächelt, als wäre es völlig normal, dass anstelle von uns, Schweine eingelaufen sind.

Diese verfluchten Biester. Vielleicht sollten wir als nächstes dafür sorgen, dass in ihrer Halle nicht nur ein paar Gänse rumlaufen, sondern Kühe, die ein paar Fladen hinterlassen. Zu gern würde ich sehen, wie eine von ihnen hineintritt und kreischend herumhüpft.

»Ihr habt den Coach gehört«, reißt Miles mich aus meinen Rachegelüsten. Nur widerwillig drehe ich dem Spielfeld den Rücken zu und trotte hinter einer angepissten Mannschaft hinterher. »Bitte sag mir, dass du bereits dabei bist, dir was zu überlegen«, grummelt der Quarterback. Ich will gerade den Mund öffnen, als mein Blick in den Gang rechts neben mir fällt.

Diese Rückansicht werde ich nie in meinem Leben verwechseln. Dafür habe ich sie mir zu oft angeschaut.

»Jones!«, platzt es wütend und laut aus mir heraus. Ihr Lächeln verrutscht ein Stück, als ich mich von Miles Seite löse und mit schnellen Schritten auf sie zugehe.

»Hallo Paxton. Was ist denn los? Warum seid ihr noch nicht am spielen?« Der scheinheilige Ausdruck auf ihrem Gesicht macht mich rasend. Wenn sie ein verfluchter Kerl wäre, würde ich ihr jetzt einen gewaltigen Kinnhaken verpassen.

»Was soll der Scheiß?!«, übergehe ich ihre Aussage und hebe die Hand um auf das Spielfeld zu deuten, dass sich irgendwo rechts von mir hinter der Wand befindet.

»Ich weiß nicht wovon du redest.« Ahnungslos zuckt sie mit den Schultern, doch das Funkeln, das in ihren schokoladenbraunen Augen aufblitzt, zeigt etwas anderes. Wie habe ich dieses Mädchen jemals attraktiv finden können?!

»Es ist eine Sache uns mit solchen miesen Trikots aufs Feld zu schicken, aber Tiere auf das Spielfeld zu jagen ist unterirdisch. Ist euch eigentlich klar, dass wir dafür sehr wahrscheinlich zahlen dürfen?!«, knurre ich und trete einen Schritt näher an sie heran. Ihre braunen Locken berühren bereits mein Shirt und sie hebt das Kinn trotzig in die Höhe, um mir überhaupt in die Augen schauen zu können. Die Meisten wären von mir eingeschüchtert, aber Evelyn wirkt aus dieser Nähe nur noch arroganter.

»Ungefähr so unterirdisch wie miese Bilder auf einer Website zu veröffentlichen, für die manche von uns mit ihren Jobs zahlen mussten?«, feuert sie dagegen.

»Ich habe mich bereits für diese Aktion entschuldigt«, zische ich, spüre die neugierigen Blicke von den Jungs hinter mir.

»Und ich habe gesagt, dass man sich für manche Dinge nicht entschuldigen kann.« Ihre Nase kräuselt sich leicht, als ihr Gesicht sich vor Wut verzieht.

»Es gibt eine verdammte Grenze!«

»Da bin ich ganz deiner Meinung«, gibt sie locker zurück und presst die Lippen zusammen, die ich jetzt nicht mehr ansatzweise Küssen will.

»Schön und gut, dass du den Cheerleadern geholfen hast uns die Haare zu färben, aber uns so lächerlich zu…«

»Also mal abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß wovon du redest, möchte ich dich daran erinnern, dass du mich – als Unbeteiligte – fast nackt ins Netz gestellt hast«, unterbricht sie mich und holt Luft um weiter gegen mich zu wettern, aber jetzt gebe ich nicht klein bei.

»Unbeteiligte?!« Ein ungläubiger Lacher entweicht meiner Kehle. »Du weißt ganz genau wovon ich rede. Vielleicht war ich zu dämlich das sofort zu kapieren, aber…«

»Ich denke, sie sind jetzt beide still.« Eine tiefe Stimme schallt durch den Flur und obwohl ich nicht will, wende ich den Blick von dem kleinen Teufel vor mir. Schwer atmend starre ich den älteren Mann an, dessen stechender Blick zwischen Evelyn und mir hin und her schweift. Ich weiß genau wer das ist und es beruhigt mich nicht, dass hinter ihm Coach Kim und Coach Mayer mit düsterere Miene stehen. »Sie beide werden uns jetzt sofort begleiten«, befiehlt er in einem Ton, der keinen Widerspruch zulässt. Hinter ihm entdecke ich Zoe, die ein zerknirschtes Gesicht macht uns auch Miles runzelt die Stirn. Der Präsident der Universität dreht sich um und lässt keine Erwiderung zu. Ich feuere einen letzten vernichtenden Blick auf Jones ab, ehe ich hinter dem kleiner Mann hertrotte und auf seinen Kopf schaue, der mit dunkelbraunen kurzen Haaren überseht ist und bereits kahle Stellen offenbaren.

Mit verspannten Schultern und Zorn im Magen folgen wir den Dreien durch die Gänge, vorbei an Footballern und Cheerleadern, die sich mittlerweile alle hier versammelt haben. Neben mir wispert Zoe mit Jones, die nur ahnungslos mit den Schultern zuckt. Doch ich bin mir sicher, dass sie genau weiß, wer das ist und weswegen er so böse schaut.

Ich habe damit gerechnet, dass wir in das Büro des Direktors geführt werden. Stattdessen biegen wir ab und verlassen das Gebäude nicht. Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, als wir das kleine Büro von Coach Mayer ansteuern in das wir alle gerade so hereinpassen. Die Tür wird von dem Oberhaupt der Universität aufgerissen und mit sicheren Schritten stampft er hinter den Schreibtisch an dem sonst der Coach sitzt. Es ist ein ungewohnter Anblick, als sich Coache Kim mit verschränkten Armen neben den Präsidenten stellen und ich mit Evelyn Jones und Zoe Wilson in einer Reihe stehe. Hinter uns wird die Tür kräftig zugezogen und ich ernte einen bitterbösen Blick von meinem Coach, als er sich an mir vorbeidrängt.

Das ist kein gutes Zeichen.

Es wird still. Auch das ist nichts Neues, denn der Coach spricht wenig. Aber die nervösen Blicke der Anwesenden sorgen für eine unruhige Atmosphäre. Nicht, dass Jones sich damit abgeben würde. Sie steht mit fester Miene und verschränkten Armen neben mir und tut so, als würde sie nicht bemerken, dass ich sie ein weiteres Mal kurz betrachte. Präsident Thompson massiert sich die Nasenwurzel und dreht sich langsam zu uns. Er hat die Augen zusammengekniffen, als müsste er mit sich selber etwas ausfechten und ich werde das Gefühl nicht los, das es nichts Gutes für uns zu bedeuten hat.

»Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie enttäuscht ich von dem aktuellen Auftreten der Cheerleader und Footballer bin«, durchbricht Thompson die Ruhe und öffnet die Augen. Langsam lässt er die Hand sinken und ein unergründlicher Ausdruck tritt auf sein Gesicht. »Wie kann es sein, dass zwei erfolgreiche Bereiche dieser Universität sich auf so ein niederes Niveau begeben und damit das Ansehen der gesamten Einrichtung gefährden?« Seine Worte sich messerscharf und ich glaube, es wagt keiner zu atmen. Fragend wandern seine dunklen Augenbrauen ein Stück nach oben und er stemmt die Arme gegen den Tisch.

»Mit der heutigen Aktion haben die Footballer nichts zu tun«, werfe ich ein und ernte sofort einen mahnenden Blick von Coach Mayer, während Evelyn und Zoe neben mir ein Schnauben von sich geben.

»Ist das so?«, fragt Mr. Thompson langsam nach, lässt mich nicht aus den Augen. Kurz wandert sein Blick nach unten und er verzieht das Gesicht, als er bemerkt was auf meinem Trikot anstelle der üblichen Sponsoren steht. Ich weiß, dass er mich verunsichern und in die Knie zwingen will. Das ist etwas, was ich kenne und mittlerweile habe ich gelernt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als genau diesen Blick zu erwidern. »Ich würde es als eine Reaktion auf den Vorfall mit der Website werten.«

»Meine Jungs wussten nichts davon«, wirft Coach Mayer von der Seite ein.

»Und meine Cheerleader wussten nichts von der Website«, hält Coach Kim dagegen und beide verfangen sich in einem erbarmungslosen Blickduell.

»Es ist mir völlig egal, wer wovon wusste.« Mr. Thompson baut sich vor den Coaches auf, die sich rasch voneinander lösen. »Ihre beiden Teams sind derzeit eine Schande für die gesamte Universität! Eine, die ich in Zukunft nicht mehr dulden werde!« Seine Augen wandern zu uns und ich sehe wie Evelyn verkrampft. »Ab sofort werden die Footballer an einer Traingseinheit der Cheerleader pro Woche teilnehmen. Im Gegenzug dafür werden sie zu allen Auswärtsspielen mitfahren.«

Was?!

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